La Piscina

Titel: La Piscina

CROSS-SECTION
Originaltitel:The Swimming Pool
Regie: Carlos M. Quintela

Kuba, Venezuela 2012 ○ 66 Min.
Spanisch ○ engl. UT

So. 17.02. 17:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Ein Schwimmlehrer versammelt seine Schüler: die Hübsche mit nur einem Bein, den Jungen mit Down-Syndrom und den mit der Gehbehinderung. Der Vierte weigert sich zu sprechen. Im Pool schwärmen sie umeinander. Konflikte kommen an die Oberfläche.

Content
A swimming teacher gathers his students: the pretty girl with only one leg, the boy with Down-Syndrome and the otherone with a walking impairment. The fourth teenager refuses to speak. They swarm around each other in the pool. Confl icts appear on the surface.

19.02.2013, Sarah Gosten

La Piscina zeigt einen Tag im Schwimmbad mit vier auf unterschiedlichste Weise behinderten Jugendlichen, die zusammen trainieren. Obwohl man meinen könnte, dass die vier sich vielleicht gegenseitig unterstützen würden, da sie es alle auf Grund ihrer Behinderung schwerer haben, scheint es im Film so, als würden sie diese Chance nicht wahrnehmen wollen. Tatsächlich legen sie mehr Wert darauf zu streiten und sich gegenseitig zu hänseln. Vor allem das Mädchen, das nur noch ein Bein besitzt, stellt sich über die anderen und macht sie runter. Durch ihr anstrengendes Gelächter wird von Anfang an dafür gesorgt, dass man sie als Zuschauer nicht besonders gut leiden kann.

Im Film existiert praktisch keine Musik, was dafür sorgt, dass der Film generell sehr leise ist, da auch die Charaktere nicht sehr viel reden. Zwischenzeitlich meine ich leise eine Hintergrundmelodie gehört zu haben, aber das kann auch ein Klingelton von einem Handy gewesen sein.

Der Film ist nur 66 Minuten lang, aber trotzdem schleppend. Er hat einige Längen und konnte mich dadurch nicht wirklich packen. Auch habe ich wahrscheinlich die Botschaft hinter der Geschichte nicht verstanden.

Als der Vorhang fiel, hörte ich einen jungen Mann in der Reihe hinter mir sagen: „What the fuck!“, und ich kann ihn verstehen. Im Grunde war es eine Stunde verschenkter Lebenszeit.

19.02.2013, Johanna Gosten
Eine wahnsinnig anstrengende und nicht unbedingt lehrreiche Stunde verbringt man im Kino, wenn man La Piscina schaut. Ich hatte doch etwas mehr erwartet, da es sich ja um einen Cross-Section-Film handelte und es um ein so ernstes und so wenig beachtetes Thema geht - Behinderungen und wie die Menschen selbst und "gesunde" Menschen damit umgehen (sollten). La Piscina ist dafür aber ein recht schlechtes Beispiel. Anstatt in dieser kleinen Gruppe zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu schützen und zu unterstützen, gingen vor allem vom Mädchen in der Truppe, Diana, nur Beleidigungen und hämische Bemerkungen aus. Das schlimmste an ihr war aber, dass sie sich nicht einmal traute, diese selbst in den Raum zu stellen, sondern ihren Kumpel brauchte, der praktisch als ihr Lautsprecher funktionierte.

Mich hat auch immer wieder gewundert, warum der Schwimmlehrer nicht dazwischengegangen ist, als sich die vier, bzw. nur Diana und der schweigsame Junge, dessen Namen ich schon vergessen habe, immer wieder unschöne Dinge an den Kopf geworfen haben. Stattdessen saß er nur da und lauschte interessiert ihrem Wortwechsel, versuchte nicht, den Streit zu schlichten, sondern überließ sie alle sich selbst.

Durch die fehlende Musik und die vielen schweigsamen Momente hatte der Film unglaublich viele Längen, in denen ich hin und wieder und vor allem gegen Ende fast eingenickt wäre. In dem Glauben, es handele sich um einen 90-Minuten-Film konnte ich nur entgeistert aufstöhnen, als bei einem Blick auf die Uhr erst knapp eine Stunde um war. Ich denke, La Piscina hätte er ein schöner und teilweise lehrreicher Kurzfilm werden können in der Hinsicht, zu sehen, dass manche Behinderte schon so verbittert sind, dass sie nicht einmal mehr untereinander zusammenhalten wollen. Aber diese Aussage sollte man voreilig nicht treffen, da das mit Sicherheit vor allem nicht auf alle Behinderten zutrifft. In diesem Sinne also trotzdem nichts gelernt, wodurch diese Stunde eben gerade so uninteressant und unnötig wird.

Tough Bond

Titel: Tough Bond
Regie: Austin Peck, Anneliese Vandenberg
USA 2012 ○ 83 Min.
Suaheli/Englisch ○ englische Untertitel
Dokumentarfilm

Kamera: Austin Peck, Anneliese Vandenberg
Musik: Johan Karlsberg, Seye Adelekan, Esau Mwamwaya
Schnitt: Sam Citron, Austin Peck, Anneliese Vandenberg
Produzenten: Austin Peck, Anneliese Vandenberg


Mi. 13.02. 17:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Fr. 15.02. 11:30 Uhr
CinemaxX 3
Sa. 16.02. 15:30 Uhr
Cubix 8

Inhalt
Für mich, wenn ich Klebstoff schnüffle, kein Stress wegen Essen. Ich hab keinen Hunger, keinen Stress. Wenn es kalt ist und du schnüffelst, ist dir nicht kalt.
Solange du high bist, ist alles gut. Sobald die Wirkung nachlässt, fühlst du dich schlecht ohne einen Cent in der Tasche. Das ist der Alltag der Straßenkinder in Kenia. Geflüchtet aus den Dörfern, in denen die Tiere an der Trockenheit sterben, verlassen von Eltern, die sich nicht um sie kümmern, lungern sie in den Städten herum und schlagen sich durch. Früher waren andere für sie da, die Nachbarschaft, das Dorf. Heute sind sie auf sich allein gestellt.

Content
For me when I huff glue, no stress for food. I don‘t feel hungry, no stress. When it‘s cold and you sniff , you don‘t feel cold.
As long as you‘re high, everything‘s fi ne. But as soon as the eff ect wears off , you feel terrible and you haven‘t a cent in your pocket. This is everyday life for homeless street children in Kenya. Having fled from their villages where the animals died due to drought, abandoned by parents who no longer care for them, they hang around in the towns, trying to make it through each day. In the past, neighbours or villagers would take care of them – but now they have to look after themselves.


14.02.2013, Johanna Gosten
Ich dachte mir schon vor Beginn des Films, dass er interessant werden würde, aber da er als Dokumentarfilm bezeichnet war, hatte ich erst die Befürchtung, dass zwischendurch immer wieder eine einschläfernde Stimme aus dem Off etwas erklären würde, aber glücklicherweise war dem nicht so. Das hätte die Wirkung der schockierenden Bilder wohl auch etwas zunichte gemacht. Um das Leid der Kinder prägnant darzustellen, reichten schon die Filmaufnahmen und gelegentlichen Worte der Kinder selbst.
Und beides hat mich sehr mitgenommen. Dass Kinder fast von ihre Eltern umgebracht werden oder aus sonstigen Gründen auf der Straße leben müssen, dieser Gedanke ist furchtbar. Ebenso die Tatsache, dass sie Kleber schnüffeln, um ihre Sorgen zu betäuben.

Mir hat vor allem der Vergleich von "mit Kleber" und "ohne Kleber" gefallen. Zu Anfang und am Ende wurde ja eine Familie gezeigt, die vollkommen ohne Kleber und auch ohne Elektronik oder Sonstiges auskam. Im Vergleich dazu all die Straßenkinder, die wie eine große vertraute Familie sind, solange alle Kleber schnüffeln. Vor allem die Sicht anderer Erwachsener war schockierend. "Es gibt gar keine Straßenkinder in Nairobi mehr", meint beispielsweise der kenianische Vize-Präsident. Oder die Behaputung des einen Kleinhändlers, er würde Kleber nie direkt an die Kinder verkaufen und dann wird er doch etliche Male dabei beobachtet und auch gefilmt. Es ist schrecklich, dass Erwachsene, die für sich selbst sorgen können, die Sucht der obdachlosen Jugendlichen so ausnutzen und dadurch fördern.

Im Laufe des Films hat sich immer wieder mein Sinn für Gerechtigkeit gemeldet. Man bekommt einfach automatisch den Drang, zu helfen. Diese Jugendlichen zu unterstützen, ihnen einen Job zu geben, irgendetwas, woran sie sich mal festhalten können. Sie können, oder wollen sich nicht einmal Kondome leisten, die sie vor HIV schützen würden, oder davor, so viele Kinder zu kriegen, dass sie sich kaum noch über Wasser halten können. Und dann kommt das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man realisiert, wie schwer es ist, diesen Leuten wirklich und nachhaltig zu helfen.

14.02.2013, Sarah Gosten

Tough Bond ist ein Dokumentationsfilm, der die Straßenkinder aus verschiedenen Orten Kenias auf ihrem Weg Schritt für Schritt begleitet. Ohne Verherrlichung zeigt der Film, wie die armen Kinder auf der Suche nach etwas, wodurch sie ihre schlechte Situation nur für ein paar Stunden vergessen können, den Kleber zur Hand nehmen und ihn schnüffeln. Die ganze Straße entlang laufen sie mit Flaschen voller Kleber vorm Mund. Es ist schockierend, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen.

Als ein Mädchen positiv auf HIV getestet wird, scheint sie sich dem Ernst ihrer Lage nicht bewusst zu sein. Durch die Unkenntnis, dass diese Krankheit so gefährlich ist, verbreitet sie sich schnell immer weiter, da die Jugendlichen keine Verhütungsmittel benutzen.
Die Kinder gehen nicht zur Schule, wissen nichts mit sich anzufangen und schnüffeln den ganzen Tag. Wenn sie mal für Arbeit bezahlt werden, geben sie das verdiente Geld gleich wieder für Kleber aus, damit sie in der Nacht dann so viel davon inhaliert haben, dass sie gar nicht mehr merken, wie kalt es ist.

Der Film ist ziemlich krass. Dadurch, dass es eine Dokumentation ist, ist es noch erschütternder. Man weiß, dass das alles real ist und in Wirklichkeit auch passiert. Ich für meinen Teil war entsetzt, dass die armen Straßenkinder den ganzen Tag den Kleber „Tough Bond“ (daher der Name des Films) schnüffeln. Das hätte ich nie gedacht.

Auf diese Weise war der Film sehr beeindruckend und wachrüttelnd, doch ich muss sagen, dass mir das nach einer gewissen Zeit einfach zu viel wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass der Film früher geendet hätte, da ich irgendwann nichts mehr aufnehmen konnte und nur noch deprimiert und schockiert war.

Ein Film, der einem die Augen öffnet und zeigt, wie schlecht es doch den Straßenkindern in diesem afrikanischen Land geht. Auch wenn er schockierend ist, ist er es Wert gesehen zu werden. Man sollte sich nicht davor verschließen, was in anderen Ländern passiert.

Liv Thastum
 “Tough Bond“ ist ein schockierender und sehr berührender Dokumentarfilm.

Der Film beginnt und endet in einem kleinen Dorf am Ufer des „Lake Turkana“.
Es war unglaublich zu sehen wie die Menschen dort leben: Total abgeschottet und auf ihre außergewöhnliche, traditionale Weise.
Man bekommt Einblick in das Leben der Straßenkinder in unterschiedlichen Großstädten.
Ich fand es überwältigend diese Kinder reden zu hören. Wie sie ihre Geschichten und Gefühle beschrieben haben, hat mich sehr berührt. Gleichzeitig war ich total schockiert, dass es Kinder gibt die so schrecklich leben müssen. Und mir ist wieder einmal klar geworden, wie gut ich es habe.

Dieser Film behandelt ein sehr ernstes Thema, aber ich finde es wichtig darüber zu reden. Diesen Kindern geht es so schlecht...man muss etwas tun. Manchmal müssen wir uns auch mit den nicht so schönen Dingen beschäftigen. Dieser Film tut das.

“Tough Bond“ ist ein außergewöhnlicher Film, der mich begeistert und völlig durcheinander gebracht hat. Man taucht völlig weg in die Welt dieser unglaublichen Straßenkinder. Durch passende Musik, eine besondere Kameraführung und natürlich den fantastischen Erzählungen der Straßenkinder, wird dieser Film zu einem berührenden Kinoerlebnis.
 

 

Das Gewicht der Elefanten

Titel: Das Gewicht der Elefanten

CROSS-SECTION
Originaltitel:The Weight of Elephants
Regie: Daniel Joseph Borgman

Neuseeland, Dänemark 2013 ○ 87 Min.
Englisch ○ dt.UT, ohne Einsprache
empfohlen ab 12 Jahren

Drehbuch: Daniel Joseph Borgman
Kamera: Sophia Olsson
Schnitt: Molly Malene Stensgaar
Musik: Kristian Selin Eidnes Andersen
Produzentinnen: Katja Adomeit, Leanne Saunders
mit: Demos Murphy, Matthew Sunderland, Catherine Wilkin, Angelina Cottrell

So. 17.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Der zehnjährige Einzelgänger Adrian lebt in seiner ganz eigenen Traumwelt. Als zwei Mädchen in seinem Alter in die Nachbarschaft ziehen, interessiert er sich gleich für die geheimnisvolle Nicole, die genauso ein Außenseiter ist wie er selbst. Oder könnte sie etwa eines dieser entführten Kinder sein, von denen immer im Fernsehen berichtet wird?

Content
Adrian, a ten-year-old loner, lives in his very own dream world. When two girls of his age move into the neighbourhood, he immediately develops an interest in the mysterious Nicole, who is just as much an outsider as himself. Or is she maybe one of the abducted children that are always reported missing on television?

19.02.2013, Sarah Gosten

Das Gewicht der Elefanten. Ungefähr von dem Gewicht der Elefanten fühlt man sich nach dem Film erschlagen.

Es ist ein ziemlich trauriger Film, der von dem jungen Adrian handelt. Er ist ein Außenseiter und das macht ihm sehr zu schaffen. Als sich schließlich auch sein bester Freund von ihm abwendet, um zu den anderen dazuzugehören, zieht Adrian sich noch weiter in seine eigene Welt zurück.
Er lernt Nicole kennen, die ebenfalls eine Außenseiterin ist; mit ihr und ihrer Schwester versteht er sich gut. Dennoch hat er das Gefühl, dass ihn nach und nach alle verlassen.

Mit trauriger Musik ist diese deprimierende Geschichte untermalt. Man hat Mitleid mit dem armen Jungen.

Die beiden Hauptdarsteller haben gute Arbeit geleistet. Die Handlung war leicht nachzuvollziehen und ich konnte mich gut in deren Situation hineinversetzen. Zum Ende hin wurde der Film spannender, wodurch sich ein schöner Abschluss ergab.

Mir hat der Film gut gefallen. Er ist es definitiv wert gesehen zu werden, aber man sollte wirklich auf die Altersangabe achten. Jünger als 12 sollte man definitiv nicht sein, wenn man sich diesen Film anguckt.

19.02.2013, Johanna Gosten
Dieser Film ist unheimlich erdrückend und wiegt sehr schwer. Denn niemand wird gern im Stich gelassen. Und vor allem keine Kinder. Vor allem nicht, wenn sie es von den eigenen Eltern erleben müssen. Egal, ob sie einen nun verlassen oder sterben - Kinder und Eltern sollten nicht getrennt werden, denn es kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Psyche eines Jungen Menschen haben.

Und das fängt Das Gewicht der Elefanten erschreckend greifbar ein. Man kann die Einsamkeit von Adrian und Nicole gut nachvollziehen, vor allem, da Adrian im Laufe des Films auch sein neu gefangenes Kaninchen loslassen muss und seinen Onkel Rory verliert, der ihm so kurz zuvor noch versprochen hatte, immer für ihn da zu sein. Der Darsteller Demos Murphy konnte die Gefühle seines Charakters Adrian sehr treffend ausdrücken - Trauer, Verwirrung, Stolz, Freude - man konnte es ihm an den Augen ablesen. Genauso war es mit der verschlossenen Nicole. Sie war erst ein Kind, doch wirkte sie schon sehr viel erwachsener für ihr Alter als andere Mädchen. Man lebt wahrscheinlich auch ganz anders, wenn man seiner Mutter täglich beim Sterben zusehen muss.

Durch ihr wachsendes Gefühl, verlassen zu werden, bald allein zu sein, lässt es sich auch nachvollziehen, warum es ihr für einen Moment fast gleichgültig war, ob sie leben oder sterben würde. Und der Augenblick war erschreckend, denn die Gleichgültigkeit stand Angelina Cottrell ins Gesicht geschrieben.
Etwas anderes als ein offenes Ende hätte zu diesem erschreckenden und zermürbenden Film wohl nicht wirklich gepasst, da schon die ganze Zeit sehr viel mit Symbolen gearbeitet wurde und überhaupt sehr viel zur Interpretation gedacht war, wie diese Sache mit den verschwundenen Kindern.

Die wunderschöne Musik von Kristian Selin Eidnes Andersen begleitet einen durch den gesamten Film, unterstreicht die wenigen fröhlichen Momente, die tragische Botschaft, dass Kinder nicht im Stich gelassen werden sollten, die ernsten Momente, die zu dieser Botschaft hinarbeiteten. Ebenso das Spiel mit der Kamera. Mir kam es so vor, als hätte die Kamera nicht einfach nur aufgenommen, nein, sie trägt auch einige entscheidene Elemente bei. Zum Beispiel die Wellenbewegung, als sich Adrian im Boot befindet und sich beim Rudern einfach nur wegträumen möchte. Die indirekten Aufnahmen der verschwundenen Kinder am Anfang des Films. Oder die Einblendung der zerbrochenen Gläser am Baum, jedoch im Hintergrund die spielenden Kinder. Die Bilder, die der Film zeigte, waren schon kleine Symbole und Botschaften in sich. Das hat Sophia Ollsen wirklich atemberaubend gut hinbekommen.

Liv Thastum
Dieser Film geht mir, seit ich ihn gesehen habe nicht mehr aus dem Kopf. Ich glaube dieser Film ist sehr schwer zu verarbeiten. Diese schlimme Geschichte des kleinen Jungen Adrian fand ich unglaublich bedrückend. Ein harter, sehr besonderer und einfach unbeschreiblicher Film.

Touch of the Light

Titel: Touch of the Light
Regie: Chang Jung-Chi
Taiwan, Hongkong/China 2012 ○ 110 Min.
Mandarin ○ englische Untertitel

Drehbuch: Li Nien-Hsiu
Kamera: Dylan Doyle
Musik: Wen Tzu-Chieh, Huang Yu-Siang
Schnitt: Li Nien-Hsiu
Produzenten: Jacky Pang Yee Wah, Cheung Hong Tat
mit: Huang Yu-Siang, Sandrine Pinna, Lee Lieh


So. 10.02. 20:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Di. 12.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3
So. 17.02. 15:30 Uhr
Cubix

Inhalt
Wenn ich sehen könnte, würde ich alleine rausgehen und ein hübsches Café suchen. Am Fenster sitzen. Ganz normale Sachen.
Yu-Siang kann nicht sehen, dafür umso besser hören. Musikalisch hochbegabt, zieht er aus der Provinz in die Hauptstadt Taipeh, um dort Klavier zu studieren. Wie kommt er dort ohne die Hilfe der Familie zurecht? Jeden neuen Weg muss er sich ertasten. Die Teeverkäuferin Jie ist ihm schnell vertraut, weil ihre Leidenschaft für den Tanz genauso tief gründet wie Yu-Siangs Gespür für Musik. Die zaghafte Freundschaft hilft beiden dabei, ihren Träumen zu folgen.

Content
If I could see, I‘d like to be able to go out on my own and find a cute cafe. Sit by the window. Just ordinary stuff.
Yu-Siang can‘t see, but he can hear so much the better for it. Highly gifted musically, he moves from the countryside to the capital Taipei in order to study piano. How will he get along there without the help of his family? He has to feel his way in every new excursion. The tea salesgirl, Jie, becomes his confi dant. Her passion for dance is as deep as Yu-Siang‘s love for music. The tentative friendship helps both of them to follow their dreams.




10.02.2013, Johanna Gosten
Standing Ovations, unglaublich lang anhaltendender Applaus und die ein oder andere Träne im Auge machen klar - dieser Film ist preisverdächtig. Ich muss sagen, ich hatte extrem hohe Erwartungen an den Film, die vermutlich sehr schwierig zu halten waren, aber Touch of the Light konnte sie ohne Schwierigkeiten halten.

Dieser Film bringt einem auf eine wunderbare, rührende Art und Weise näher, mit welchen Problemen sich blinde Menschen herumschlagen müssen, und wie viel wir von ihnen eigentlich lernen können, wie eine Frau im Publikumsgespräch sehr richtig bemerkte. Es war einfach faszienierend, wie der musikalisch hochbegabte Siang die Welt wahrnahm, welche Dinge ihm an den Menschen wichtig waren, und wie sehr er beim Musizieren auflebte. Mich selbst überkam immer wieder der Wunsch, auch einmal so spielen zu können, wie Siang, aber irgendwo tief in mir drinnen verstand ich gleichzeitig auch, dass ich das vielleicht nie würde tun können. Vielleicht sind solche Dinge, solche Begabungen, der Ausgleich für Menschen, die seit der Geburt so viel mehr Schwierigkeiten haben, als "Normalos". Was ihnen an Sehkraft fehlt, das haben sie irgendwo anders. Und mit der Fähigkeit, atemberaubende Musik zu erzeugen, hat Siang gleichzeitig auch die Kraft, Menschen zu verzaubern, sie irgendwo ganz tief zu berühren.

Ich habe länger über die Worte des einen Jungen im Film nachgedacht. "Er hat nur gewonnen, weil er blind ist." Und während ich so darüber nachdachte, wurde mir klar, dass das zwar zu einem Teil wahr ist - und zwar wenn man das "nur" weglässt und ein "auch" dagegen eintauscht. Da Siang blind ist, macht es das für ihn noch etwas schwieriger als für Kinder mit Sehkraft, solche Taten zu vollbringen, und deshalb ist es besonders. Die ganze Geschichte wird so berührend und interessant, weil es um die Geschichte eines blinden Jungen geht, der langsam lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Aber diese Argumentation geht nur zu einem gewissen Punkt. Denn das alles sind nur zusätzliche Gründe dafür, dass dieser Film so faszinierend war. Es geht um die Leidenschaft für Tanz und Musik, die die beiden Hauptdarsteller verfolgen, den Willen, alles dafür zu geben, es zumindest zu versuchen. Und dass all das einem blinden Jungen passiert, das macht das Ganze so rührend.

Es ist ziemlich schwer, die richtigen Worte zu finden. Wenn man schon einmal versucht hat, die Worte für einen wirklich atemberaubenden Film zu finden, dann weiß man, was ich meine. Ich kann Touch of the Light nur empfehlen. Es ist ein Film, der einem sehr nahe geht, der einen bezaubert mit der wunderschönen Musik. Wer noch Zeit hat, diesen Film bei der Berlinale zu sehen, der sollte es auf jeden Fall tun!

Die ewige Nacht der zwölf Monde

Titel: Die ewige Nacht der zwölf Monde
Originaltitel:La Eterna Noche de las Doce Lunas
Regie: Priscila Padilla

Kolumbien 2013 ○ 87 Min.
Dokumentarfilm
Spanisch/Wayunaiky ○ dt. Einsprache, engl. UT
empfohlen ab 12 Jahren

Drehbuch, Produzentin: Priscila Padilla
Kamera: Daniela Cajias
Schnitt: Ximena Franco
Musik: Danny Rubio, Sol Okarina

Mi. 13.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Do. 14.02. 11:30 Uhr
CinemaxX 3
So. 17.02. 12:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Während der Zeit in Klausur stärken wir Frauen Seele und Geist und lernen, widerstandsfähig zu werden.
Pili ist zwölf Jahre alt, als sie für ein Jahr in eine einsame Hütte zieht. So will es der alte Brauch ihrer Gemeinschaft der Wayuu. Ihre Großmutter glaubt, dass ein Mädchen nur so zu einer guten Frau werden kann. Doch zwölf Monde sind eine sehr lange Zeit und es ist oft einsam, so ganz ohne die Freunde aus der Schule, mit denen sie lachen konnte. Pili webt ihre bunten Tücher, während draußen vor der Lehmhütte das Dorfleben einfach weitergeht. Immer wieder gibt es Belehrungen. Will Pili ihr Leben wirklich so führen, wie die Alten es ihr vorschreiben?

Content
It´s during seclusion that we, the women strengthen our soul and spirit and learn to become tough.
When Pili reaches the age of twelve, she moves into an isolated hut for a year. This is what she‘s required to do according to the customs of her people, the Wayuu. Her grandma believes it‘s the only way a girl can develop into a good woman. But twelve cycles of the moon is a very long time, and it‘s lonely for Pili now that she can‘t even laugh with her school friends. Pili weaves her coloured cloths while village life just carries on as normal outside her mud hut. Again and again she has to listen to the advice of the elders. Does Pili really want to live her life in the way that they dictate?

17.02.2013, Sarah Gosten

Ein Jahr lang abgeschieden in einer Hütte. Ohne Erlaubnis von jemand anderem als ihrer Lehrerin besucht und gesehen zu werden. Ohne Erlaubnis zu lachen. Das ist die Seklusion. Die Zeit nach der ersten Menstruation, in der die Mädchen alleine zur Ruhe kommen sollen. Nur wenn man die Seklusion ein Jahr lang übersteht, wird man in der Gemeinschaft der Wayoo anerkannt. Nur dann hat man die Chance auf einen guten Brautpreis.

In dieser Situation befindet sich Pili, die sich dazu entschlossen hat, diesen alten Brauch fortzuführen, obwohl längst nicht mehr alle dieser Sitte folgen. Ein Jahr lang soll sie ruhig in ihrer Hütte sitzen und die alten Künste der Wayoo lernen. Vor allem das Weben ist in dieser Gemeinschaft sehr wichtig.

Doch der Film beginnt schon früher. Er zeigt die Alten der Gemeinschaft, die Pili alle mit unterschiedlichen Worten überzeugen und bestärken wollen, dass die Seklusion sehr wichtig für sie sei. Im Grunde scheint es fast so, als hätte sie keine Wahl.

Die ewige Nacht der zwölf Monde ist ein sehr informativer Film aus dem Norden Kolumbiens über die dort weitverbreitete Sitte der Seklusion. Tatsächlich wurde ich den ganzen Film über mit so vielen Informationen über diesen Brauch überschüttet, dass ich nach einer Weile nicht mehr ganz so aufnahmefähig war. Dennoch ist dieses Thema sehr interessant. Bisher hatte ich noch nie einen Film darüber gesehen oder irgendein Buch gelesen, was davon handelt, deswegen finde ich es toll, dass ich auf der Berlinale endlich die Chance dazu bekam.

Der Film hat mich ziemlich zum Nachdenken angeregt. Was würde ich in dieser Situation tun? Würde ich das überhaupt durchhalten, ein Jahr lang einsam und allein in einer Hütte zu hocken ohne meine Freunde? Wäre mir dieses Ritual überhaupt wichtig?

Es ist immer wieder spannend, Filme von anderen Teilen der Erde zu sehen und diesen fand ich sehr interessant. Sicherlich finden nicht alle dieses Thema ansprechend (vor allem wahrscheinlich Männer), aber dieser Film ist dennoch eine attraktive Gelegenheit, die Seklusion näher kennenzulernen.

19.02.2013, Johanna Gosten
Die Ewige Nacht der Zwölf Monde ist eine Art Dokumentarfilm. LANGWEILIG! Also gut, dass die Generation ihn im Programm nicht als solche ausgeschildert hat, würde ich mal sagen. Denn in dem Film wird auf eine sehr leise, berührende und interessante Weise das Leben von Pili in der Seklusion aufgenommen. Pili lebt für ein Jahr lang in einer Hütte un darf nur von Frauen besucht werden, damit der Brautpreis steigt. Sie darf nicht lachen, darf sich stundenlang nicht bewegen, wird bei Mondschein gebadet und webt, was das Zeug hält. Und das alles nur, weil ihre Großmutter es möchte.

Während die Kamera oft und lange auf Pilis Gesicht gerichtet ist, wird jede Regung eingefangen. Auch wenn sie sich sehr gut darauf versteht, ihre Gefühle zu verbergen und nicht viel zu reden, merkt man ihr an, dass sie das Ganze eigentlich nicht selbst will und sie wirkt auch etwas traurig und einsam. Ich denke, man muss sich bei diesem Film auch viel selbst dabei denken, ihren Gesichtsausdruck interpretieren und ihren Tonfall.

Ich hatte vorher noch nie davon gehört, dass Mädchen auf anderen Teilen der Erde in die Seklusion gehen sollen oder es auch wollen, weil sie es nicht anders kennengelernt haben. Daher fand ich es sehr interessant, gleich so einen informativen und nicht gerade langweiligen Film dazu zu sehen. Teilweise sind zwar einige Fragen offen geblieben, aber wie gesagt ist wohl auch viel zur Interpretation gelassen. Der Zuschauer schafft sich ein eigenes Bild über die Seklusion und kann in den stillen Momenten des Films in Ruhe darüber nachdenken.

The Cold Lands

Titel: The Cold Lands
Regie: Tom Gilroy
USA 2012 ○ 100 Min.
Englisch

Drehbuch: Tom Gilroy
Kamera: Wyatt Garfield
Musik: Hahn Rowe
Schnitt: Julia Bloch
Produzenten: Paul Mezey, Andrew Goldman
mit: Silas Yelich, Lilli Taylor, Peter Scanavino


Sa. 09.02. 20:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mo. 11.02. 15:30 Uhr
Cubix 8
Di. 12.02. 16:30 Uhr
CinemaxX 3

Inhalt
Die meisten Leute wollen einfach nur glücklich sein. Das sagt meine Mama.
Atticus wohnt mit seiner Mutter zurückgezogen in einem Holzhaus im Wald. Zum Leben brauchen sie wenig, weder Strom noch die Hilfe anderer Leute. Als seine Mutter plötzlich stirbt, flieht Atticus in die schützende Tiefe des Waldes. Hier kennt er sich aus, schläft nachts im Moos, ernährt sich tagelang von Kräutern und Beeren. Aus einer bedrohlichen Situation rettet ihn ein Fremder. Der lebt so frei und unabhängig, wie es sich Atticus‘ Mutter immer gewünscht hat.

Content
Most people just want to be happy. That is what my mum says.
Atticus lives with his mother, in an isolated cabin in the woods. They don‘t need much to get by, neither electricity nor anybody‘s help. When his mother suddenly dies, Atticus withdraws to the sheltering depths of the forest. He knows his way around there, sleeps in the moss at night, sustains himself for days on herbs and berries. Then a stranger saves him from a dangerous situation, a stranger who lives as freely and independently as Atticus‘s mother always wanted to.


Sarah Gosten

Es scheint ein sehr beliebtes Thema geworden zu sein: die Verbindungen zu der Natur. Filme, in denen Menschen, meist Jugendliche, den Weg zurück in die Natur finden, um dort zu leben. Das habe ich nun schon in drei Filmen auf dieser Berlinale erlebt und es ist erst Tag 2.

Sie alle haben eine gewisse Ähnlichkeit. Viel Landschaft, die Musik ist besonders ausgeprägt, vergleichsweise wird sehr wenig gesprochen und einige Szenen kommen in jedem dieser Filme vor. Doch trotzdem sind sie alle auch sehr unterschiedlich und es lohnt sich definitiv sie anzugucken.

The Cold Lands erzählt die Geschichte eines 11-jährigen Jungen, – so alt soll er zumindest sein, meiner Meinung nach wirkte er eher wie 13 oder 14 – der im Schock in den Wald flüchtet, als seine Mutter in Folge einer Herzattacke ins Krankenhaus eingeliefert wird. Während er überall gesucht wird, lebt er eine Zeit lang zurückgezogen im Wald, bis er schließlich von einem Fremden aus einer brenzligen Situation gerettet wird. Nun ziehen sie zusammen weiter. Doch auch der Retter von Atticus – so heißt der Protagonist – ist aus Sicht des Zuschauers nicht die geeignetste Person, um auf ihn aufzupassen. Er hat keine Arbeit, zieht umher, versucht selbstgemachte Schmuckstücke zu verkaufen und kommt dabei kaum über die Runden. Doch sie lernen beide im Laufe der Zeit etwas Verantwortung zu übernehmen.

Im ganzen Film herrscht eine gewisse Ungewissheit, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll. Viele Fragen bleiben unbeantwortet und können auch nur durch das ausführliche Publikumsgespräch im Anschluss an den Film geklärt werden.

Es ist ein ziemlich typischer, vielleicht etwas verwirrender Berlinalefilm und mir hat er gut gefallen.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass, wenn einem generell die Art dieser Filme gut gefällt, man auch an diesem Film seine Freude haben kann. Allerdings hat mir der Film echt im Nachhinein nochmal besser gefallen, nachdem einige ungelöste Fragen vom Regisseur etwas näher erläutert worden waren.

Johanna Gosten
The Cold Lands ist einer der Filme, die man viel besser versteht, wenn man dem Publikumsgespräch lauscht. Als der Vorhang fiel, dachte ich erstmal nur "Aha". Doch als der sehr sympathische Regisseur zu erzählen begann, was er sich eigentlich bei dem Film gedacht hatte, gingen mir so einige Lichter auf.

Es handelt sich um einen sehr ruhigen und nachdenklichen Film, der viel in der Natur spielt und durch viel Musik untermalt wird. Die Absicht des Regisseurs, einen Film über einen Jungen zu drehen, der gerade anfängt, über mehr Dinge nachzudenken, die Welt zu spiegeln, sie ganz anders wahrzunehmen, ist ihm meiner Meinung nach wirklich gelungen. Der Film brauchte kaum Darsteller, was es aber wohl kaum leichter gemacht hat, die passenden Schauspieler zu finden. Dennoch ist wirklich jeder Charakter perfekt besetzt. Die alte Frau von neben an, Atticus, seine Mutter.
Außerdem stimmte einfach die "Chemie" zwischen Silas und Peter, den beiden Hauptdarstellern. Es kam zu wirklich interessanten Dialogen und auch wenn die beiden sehr ungleich waren und man sich den Charakter, den Peter Scanavino verkörperte, vielleicht nicht gerade als den geeignetsten neuen, nunja, Vaterersatz vorstellen würde, bauen die bauen doch so etwas wie eine Beziehung zueinander auf.

Abgesehen davon sind natürlich die Landschaftsaufnahmen atemberaubend. Die Kameraführung war auch großartig. Wyatt Garfield hat die Szenen im richtigen Winkel erfasst. Auf weiten Wiesen, einsamen Straßen, von oben oder unten, es hat einfach immer gestimmt - Respekt!

Die Rakete

Titel: Die Rakete
Originaltitel:The Rocket
Regie: Kim Mordaunt

Australien 2013 ○ 96 Min.
Lao ○ dt. Einsprache, engl. UT
empfohlen ab 11 Jahren

Drehbuch: Kim Mordaunt
Kamera: Andrew Commis
Schnitt: Nick Meyers
Musik: Caitlin Yeo
Produzentin: Sylvia Wilczynski
mit: Sitthiphon Disamoe, Loungnam Kaosainam, Thep Phongam

So. 10.02. 10:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mo. 11.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3
Fr. 15.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 2

Inhalt
Hier ist kein guter Ort, um mit einem Unglückszwilling wie mir zu leben.
Die Suche nach einem neuen Zuhause führt den zehnjährigen Ahlo und seine Familie auf eine schicksalhafte Odyssee durch das laotische Hinterland. Seine strenge, abergläubische Großmutter sagt, dass er Unheil über die Familie bringt, und bald glaubt er selbst an die zerstörerische Kraft des Fluches. Trost findet er bei seiner Freundin Kia, und zu zweit ist er als Außenseiter nicht mehr allein. Um sich endlich als Glücksbringer zu beweisen, nimmt Ahlo an einem spektakulären Wettbewerb mit selbstgebauten Raketen teil.

Content
This is not a good place to be with a bad luck twin like me.
The search for a new home leads ten-year-old Ahlo and his family on a fateful odyssey through the Laotian countryside. His strict, superstitious grandmother says that he brings the family bad luck, and soon even he himself starts to believe in the destructive power of the curse. He finds comfort in his friendship with Kia, and at her side the outsider is no longer alone. In order to finally prove that he can be the bringer of good fortune as well, Ahlo takes part in a spectacular competition for self-built rockets.


16.02.2013, Johanna Gosten
Ein würdiger Gewinner
Das dachte ich schon, während die Kinderjury ihren Text über den diesjährigen Gewinnerfilm des Gläsernen Bären vorlas. Dass von The Rocket die Rede war, erkannte man schon nach dem ersten Satz.

Der Film handelt von dem Jungen Ahlo, der ein Zwilling ist. Da sein Bruder schon im Bauch seiner Mutter gestorben ist, hält seine Großmutter ihn für den verfluchten Zwilling, der nur Unglück bringt. Und das scheint auch immer wieder der Fall zu sein. Wo auch immer Ahlo hinkommt, es passieren ihm und den Menschen, die er liebt, schrecklicher Dinge - allen voran der plötzliche und gewaltsame Tod seiner Mutter, die sich immer für ihn eingesetzt hat.

Nach dieser Stelle des Films ist es im Saal totenstill. Der Schock über das eben Gesehen sitzt tief und spätestens ab jetzt wird man von den Geschehnissen gefesselt. Man möchte wissen, ob Ahlo weiterhin so schrecklich Dinge geschehen, ob er scheinbar wirklich nur Unglück bringt oder ob er nicht wenigstens einmal beweisen kann, dass das Pech nicht seine eigene Schuld ist. Ständig auf das Schlimmste gefasst fesselt einen dieser Film an den Sitz.

Etwas verwundert, aber dennoch sehr berührt, hat mich der Zusammenhalt der Familie. Auch wenn Ahlos Großmutter dachte, er bringe nur Unglück, und sein Vater auch sehr oft von ihm enttäuscht wurde, so hielten alle drei zusammen. Sie unterstützten einander auf ihrer harten Reise mit Onkel Lila und Ahlos Freundin, griffen sich unter die Arme. Sie verstanden sich zwar nicht immer blendend, aber sie blieben zusammen, was auch immer kam, und genau das macht eine richtige Familie aus.

Mit wunderschöner orientalischer Musik wird die Stimmung des Films untermalt. Jeder einzelne Charakter war passend besetzt, sie schienen ein eingespieltes Team zu sein. Die wunderschönen Aufnahmen von Laos machen Lust auf mehr, doch durch all die versteckten, noch immer scharfen Bomben, Granaten etc. ist ein tatsächlicher Besuch dieses Landes schier unmöglich. Ich finde es ziemlich mutig von den Filmemachern, auf diese Situation aufmerksam zu machen. Der Blick auf die Tatsachen wird nicht verschleiert - die Amerikaner haben hier die Bomben geworfen und viele Gebiete des Landes unnutzbar, gar unbegehbar gemacht. Selbst Kinder kennen viele Orte ihrer Heimat nicht, da es viel zu gefährlich wäre sie zu betreten, selbst Plätze ganz in ihrer Nähe, nur wenige Kilometer entfernt. Auf dieses Unglück für die Bewohner von Laos macht The Rocket aufmerksam, und zwar auf eine unheimlich bezaubernde Art und Weise.