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Jin

Titel: Jin
Regie: Reha Erdem
Türkei 2012 ○ 122 Min.
Türkisch/Kurdisch ○ englische Untertitel

Eröffnungsfilm

Kamera: Florent Herry
Schnitt: Reha Erdem
Musik: Hildur Gudnadottir
Produzent: Ömer Atay
mit: Deniz Hasgüler, Onur Ünsal

Fr. 08.02. 19:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Sa. 09.02. 16:30 Uhr
CinemaxX 3
Sa. 10.02. 15:30 Uhr
Cubix 8
Do. 14.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3

Inhalt
Sie haben meinen Vater abgeholt, als ich gerade zwei war. Er hatte nicht mal eine Waffe. Er kam nie zurück.
Sie nennt sich Leyla. Eigentlich ist ihr Name Jîn, doch den verrät sie nur wenigen. Immer ist sie auf der Flucht. Von den kurdischen Rebellen in den Bergen hat sie sich abgesetzt. Jetzt zieht sie allein durch die überwältigenden Berglandschaften, auf dem Weg zu einer fernen Großmutter, wo sie sicher sein könnte. Überall lauern Soldaten, drohen Gewehrfeuer und Explosionen. Und Männer, gegen die sie als junge Frau ohne Familie fast schutzlos ist. Doch ihr Mut ist ungebrochen und die Natur ihr größter Beschützer.

Content
They took my father away when I was just two. He didn‘t even have a gun. He never returned.
She calls herself Leyla. Her real name is actually Jîn, but she only reveals that to a few people. She‘s on the run now she‘s broken away from the other Kurdish rebels in the mountains. Now Jîn wanders alone across the breathtaking mountain landscape, heading for a distant grandmother who might be able to off er her a safe refuge. Soldiers are lurking at every turn, and the sound of gunfi re and explosions fi lls the air – and men too, against whom she is practically defenceless as a young woman without a family. But her courage is undaunted, and nature is her greatest protector.


08.02.2013, Johanna Gosten
Auch wenn ich mir noch immer nicht sicher bin, was ich von diesem Film halten soll, denke ich doch, dass Jin der perfekte Auftakt zur diesjährigen Berlinale war. Die Mischung aus ruhiger Nachdenklichkeit, erschreckenden und schockierenden Szenen und ergreifenden Momenten - kurz gesagt alles, was ein typischer Berlinalefilm braucht.

Über ein ganzes Jahr lang kann man schon mal vergessen, wie furchtbar und realitätsnah einige der Filme dort sind, selbst solche aus der Sektion Generation. Jin hat mir jedoch mit gnadenloser Wucht gezeigt, worum es bei der Berlinale eigentlich geht - einen Einblick in das Leben anderer Kinder oder Jugendliche zu bekommen. In den ersten Minuten dachte ich, es könnte ein sehr langatmiger Film werden, aber schnell wurde ich vom Gegenteil überzeugt, nämlich bei der ersten Schießerei. Ich bin regelrecht zusammengezuckt. Trotzdem muss ich sagen, dass der Film so einige Längen hatte, vor allem auch da sich der Ablauf teilweise wiederholte. Sie lief durch die Natur, es passierte etwas Schreckliches, eine Schießerei, dann wieder Natur...

Ich bin aber der Meinung, dass die Filmemacher diesen kleinen Makel sehr gut überdecken konnten. Die leichte Langeweile, die entstehen könnte, wird durch passende Musik und eine wirklich außergewöhnliche Schauspielerin in eine nahezu elektrisierende Spannung umgewandelt. Es gibt zwar einen gewissen Kreislauf, aber dennoch weiß man nie genau, in welcher Abfolge die drei eben genannten Dinge eintreten. Zwischendurch habe ich mich immer wieder dabei ertappt, wie ich mit Jin mitfieberte und sie auch vielfach bewunderte, für ihren Mut und ihre unerschöpfliche Großherzigkeit. Es hat mich doch teilweise überrascht, wie oft sie anderen Lebewesen und auch Menschen half, auch wenn sie selbst überhaupt keine Hilfe erhielt.

Jin wird mir sehr wahrscheinlich noch eine Zeit lang schwer und auch quer im Magen liegen, denn es geschieht eigentlich automatisch, dass man über das Thema nachdenkt, bemerkt, wie gut man selbst es eigentlich hat, und den Drang verspürt, diesen Menschen zu helfen, aber man weiß auch, dass das praktisch nicht möglich ist. Ich finde es ziemlich mutig von den Filmemachern, einen solchen Film zu drehen, denn es besteht ja auch immer die Gefahr, dass das Thema falsch aufgegriffen wird, bzw. die Botschaft missverstanden wird.

Sarah Gosten
Wow. Das muss man erstmal sacken lassen. Getäuscht von den vielen idyllischen und ruhigen Landschaftsaufnahmen zu Beginn des Films, in denen ich mir schon gut vorstellen kann, dass er eventuell etwas langweilig werden könnte, werde ich schon bald eines besseren belehrt, als plötzlich Schusswaffen und Bomben ertönen. Neben mir spüre ich auch die anderen Kinobesucher im Saal zusammenzucken.

Nach dieser Schrecksekunde wendet sich der Film nun der Hauptdarstellerin zu, die wir auf ihrem Weg den ganzen Film über verfolgen. In vielen ruhigen Landschaftsszenen – immer wieder durchbrochen von den lautstarken Gewehren – werden wir mitgenommen in eine Welt, die wir uns kaum vorstellen können. Eine Welt, in der Krieg herrscht und in der Jin – ohne Pass und als alleinreisende junge Frau ohne Familie oder sonstige Angehörige - in ständiger tödlicher Gefahr lebt. Mit deprimierender Klarheit verdeutlicht der Film genau diese aussichtslose Situation und dafür werden nicht einmal viele Worte gebraucht. Alles in allem ist der Film wirklich extrem still, doch mich hat das nicht gestört. Es war irgendwie passend.

Einige meinten nachher, dass sie die vielen Landschaftsszenen als eintönig und etwas langweilig empfanden, doch ich muss sagen, dass mich das komischerweise überhaupt kein einziges Mal gestört hat. Der Film hat mich so gefesselt, dass es mir gar nicht vorkam, als ob der Film so viele Längen hätte.

Als Berlinale-Auftakt war der Film sicherlich ein Schocker, doch genau solche Filme machen die Berlinale doch aus. Und eins ist klar: Über diesen Film kann man sicherlich noch sehr lange nachdenken.


Charlotte Hochegger
"Jin" ist ein Film, der mich sehr beeindruckt hat. Noch lange nachdem er vorbei war, habe ich darüber gegrübelt. Ich weiß gar nicht über was genau, aber das Thema hat mich so beschäftigt, dass ich nicht aufhören konnte, die Bilder wieder und wieder an mir vorbeiziehen zu lassen. Der Film behandelt sein Subjekt so, dass man es nicht so leicht wieder vergisst. Ruhige Bilder einer wunderschönen Landschaft, Schrecksekunden voller Getöse, Schrecksekunden des Mitfieberns mit Jin, dann wieder Landschaft.

Von der Machart ist der Film sehr realistisch bis auf einige Ausrutscher in Form von Allegorien. Daher kann es auch durchaus ziemlich schmerzhaft sein, mitansehen zu müssen, was dort geschieht. "Jin" ruft uns ein Thema in Erinnerung, von dem wir eigentlich schon einmal etwas gehört haben, es aber wieder verdrängt haben. Der Film hat mir ziemlich gut gefallen, wobei "gut" vielleicht auch das falsche Wort ist, denn ich bin mit einem blauen Fleck in der Magengrube nachhause gegangen.

Einzig und allein das Ende hätte meiner Meinung nach nicht unbedingt gezeigt werden müssen, da sowieso jeder Zuschauer wusste, wie ausweglos die Situation war und geahnt hat, was mit Jin letztendlich passieren würde. Dies trübt meinen Eindruck des Films jedoch wenig: Er ist auf jeden Fall sehenswert!

Princess Rojas

Titel: Princess Rojas
Regie: Laura Astorga Carrera
Costa Rica, Venezuela 2013 ○ 100 Min.
Spanisch ○ englische Untertitel

Drehbuch: Laura Astorga Carrera, Daniela Goggi
Kamera: Julio Constantini
Schnitt: Daniel Prync, César Custodio, Ariel Escalante, Sergio Marcano
Musik: Lester Paredes
Produzenten: Laura Astorga Carrera, Aldrina Valenzuela Rojas, Marcela Esquivel Jiménez
mit: Valeria Conejo, Aura Dinarte, Fernando Bolanos, Carol Sanabria

Mo. 11.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Di. 12.02. 17:30 Uhr
Cubix 8
Mi. 13.02. 11:30 Uhr
CinemaxX 3
Sa. 16.02. 16:30 Uhr
CinemaxX 3

Inhalt
Ja, meine Mutter ist weg, meine Eltern leben getrennt. – Ein anderer Mann? – Ein anderes Land.
Claudias Eltern sind politische Aktivisten. Aus Nicaragua fl ieht die Familie nach Costa Rica. Auch hier bleibt ein normales Familienleben auf der Strecke. Zum Glück halten Claudia und ihre jüngere Schwester stets zusammen, wenn die Eltern sich neue Pässe drucken, die Koffer ins Auto werfen und wieder einmal alles nicht so bleibt, wie es gerade war. Um endlich Halt unter den Füßen zu spüren, muss das Leben auf der Flucht ein Ende haben. Claudia hätte gar nichts dagegen, mal für eine Weile ganz normal zur Schule zu gehen.

Content
Yes, my mother left, my parents are separated. – Another man? – Another country
Claudia‘s parents are political activists. The family flees Nicaragua and moves to Costa Rica. But there‘s little hope of a normal family life there, either. Luckily, Claudia and her younger sister always stick together when their parents get new passports printed and toss the suitcases into the car – and once again their world gets turned upside down. They have to stop running from place to place if there is to be any hope of fi nally getting a fi rm foothold in life. Claudia certainly wouldn‘t mind just going to school for a time, like any normal child.


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Um Fim Do Mundo

Titel: Um Fim Do Mundo
Regie: Pedro Pinho
Portugal 2013 ○ 62 Min.
Portugiesisch ○ englische Untertitel

Kamera: Vasco Viana, Pedro Pinho
Schnitt: Luisa Homern
Produzenten: Filipa Reis, Leonor Noivo
mit: Eva Santos, Iara Teixeira, Indalécio Gomes, Manuel Gomes


Di. 12.02. 17:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Do. 14.02. 16:30 Uhr
CinemaxX 3
So. 17.02. 20:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Die haben eine ganze Tasche voller Klamotten geklaut. Die suchen nur nach Ärger …
Ein Tag im Leben von ein paar Jugendlichen in einem Neubauviertel irgendwo vor Lissabon.
Die Schule ist ein Witz. Arbeit gibt es sowieso nicht. Zwei Mädchen wollen sich amüsieren und ziehen mit zwei Jungs zum Strand. Die Mädchen sonnen sich, die Jungs machen Arschbomben ins Meer. Als der Rest der Gruppe dazukommt, gibt es Streit. Abends versucht man, am Türsteher vorbeizukommen oder hängt am Autoscooter ab. Ziele sind nicht so wichtig. Nur die Momente zählen, Gesten und die Spannung, wenn Blicke sich begegnen.

Content
They stole a huge bag of clothes. Just looking for trouble …
One day in the life of a couple of teenagers in the suburbs somewhere near Lisbon. School i a joke, but there are no jobs anyway. Two girls want to have some fun, so they go to the beach with a couple of boys. The girls sunbathe while the boys do dive-bombs into the water. When the rest of the group arrives, a fi ght breaks out. They spend their evenings trying to sneak past doormen or hanging out at the bumper-car stand. They‘re not much bothered about having a goal: All that counts are moments, gestures, and the electricity when their eyes meet.



13.02.2013, Sarah Gosten

Um Fim Do Mundo ist ein sehr kurzer Film – seine Laufzeit beträgt gerademal 62 Minuten(!)-, der von dem Leben der Jugendlichen in einem berühmt- berüchtigten Vorort der Stadt Lissabon handelt. An sich klingt das gar nicht mal so schlecht, doch leider hat mir die Umsetzung nicht gut gefallen.

Auch wenn der Film nur so kurz war, hat er es nicht geschafft eine Spannung aufzubauen. Mir fehlte einfach der rote Faden, ich wusste nicht, worauf das Ganze hinauslaufen sollte. Zwar wurde die Stimmung der Jugendlichen recht gut verdeutlicht, da die schauspielerische Leistung der Darsteller nicht schlecht war, doch es hat mich weder begeistert noch berührt. Tatsächlich wusste ich bis zum Schluss nicht, was der Regisseur mit diesem Film vermitteln wollte. Als er kurz darauf im Publikumsgespräch von einer Frau gefragt wurde, was denn genau die Botschaft des Films sei, wusste er selbst keine Antwort, da er offensichtlich nicht geplant hatte, eine Message rüberzubringen. Als ich das gehört habe, war ich ernsthaft etwas irritiert, denn warum dreht man einen Film, wenn man gar nichts vermitteln möchte?

13.02.2013, Johanna Gosten
Meine Begeisterung für diesen Film hält sich wirklich in Grenzen. Ich dachte nach dem Film nur "was soll ich jetzt damit?". Denn es wurde nicht wirklich eine erkennbare Botschaft übermittelt. Wenn ich das im Publikumsgespräch richtig mitbekommen habe, dann wollte der Regisseur auch einfach nur einen Film über sein Kiez und die jungen Leute dort drehen, ohne eine spezielle Handlung. Insofern hat er sein Ziel auch erreicht, denn man saß etwas über 60 Minuten im Kino und hat portugiesische Jugendliche für einen Tag begleitet, ihnen ein wenig beim Spaßhaben und Streiten zugesehen, dann fielen die Vorhänge wieder zu.
Die Sache ist nur, dass man das auch hier auf der Straße kann, oder als Jugendlicher gerade selbst erlebt. Von daher bringt es einem nicht so viel, da ja noch nicht mal eine Lösung, bzw. eine Botschaft dahintersteckt.

Für mich war es vielleicht noch ganz interessant, Jugendliche aus einem anderen Land zu beobachten, aber insgesamt war es geradezu eine Zeitverschwendung, auch wenn es sich nur um eine Stunde handelte. Wer auf der Suche nach etwas Hilfe, einem Leitfaden in der Pubertät ist, der ist hier definitiv falsch. Wer sich allerdings in einem leicht rebellischen Verhalten als Teenager bestätigt sehen möchte, der sollte ruhig mal hineinschauen.

Peter

Titel: Peter

CROSS-SECTION
Retrospektive
Originaltitel:Peter
Regie: Hermannn Kosterlitz

Ungarn, Österreich 1934 ○ 100 Min.
Deutsche Originalversion ○ mit filmpädagogischer Begleitung

Fr. 15.02. 10:30 Uhr
CinemaxX 8

Inhalt
Eva wird obdachlos, ein Dieb zwingt sie zum Kleidertausch, und über Umwege landet sie, verkleidet als Peter, bei einem Garagenbesitzer. Francisca Gaál als burschikos-verführerischer „Tomboy“ in einer der charmantesten Komödien der dreißiger Jahre.

Content
Eva can’t pay her rent and ends up homeless. A fl eeing thief forces her to switch clothes with him. Now posing as a boy named Peter she ends up with a job at a garage. Cabaret artist Francisca Gaál as a boyishyet- seductive tomboy in one the most charming fi lm comedies of the 1930s.










Liv Thastum
“Peter“ lädt ein in eine andere Zeit.Ins Jahr 1934. Dieser Film ist sehr anders als die anderen die ich gesehen habe. Die Farbe: schwarz, weiß. Die Musik: altmodisch, aber total klasse. "Der Humor: anders, aber ich konnte trotzdem viel Lachen. „Peter“ ist eine unglaublich charmante Komödie. Obwohl dieser Film so alt ist, hat er mich total begeistert. Die Schauspieler, die Kamera und die Musik waren anders als heute aber auf alle fälle total überzeugend. “Peter“ ist einer der besten Filme, die ich diese Berlinale gesehen habe.

La Piscina

Titel: La Piscina

CROSS-SECTION
Originaltitel:The Swimming Pool
Regie: Carlos M. Quintela

Kuba, Venezuela 2012 ○ 66 Min.
Spanisch ○ engl. UT

So. 17.02. 17:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Ein Schwimmlehrer versammelt seine Schüler: die Hübsche mit nur einem Bein, den Jungen mit Down-Syndrom und den mit der Gehbehinderung. Der Vierte weigert sich zu sprechen. Im Pool schwärmen sie umeinander. Konflikte kommen an die Oberfläche.

Content
A swimming teacher gathers his students: the pretty girl with only one leg, the boy with Down-Syndrome and the otherone with a walking impairment. The fourth teenager refuses to speak. They swarm around each other in the pool. Confl icts appear on the surface.

19.02.2013, Sarah Gosten

La Piscina zeigt einen Tag im Schwimmbad mit vier auf unterschiedlichste Weise behinderten Jugendlichen, die zusammen trainieren. Obwohl man meinen könnte, dass die vier sich vielleicht gegenseitig unterstützen würden, da sie es alle auf Grund ihrer Behinderung schwerer haben, scheint es im Film so, als würden sie diese Chance nicht wahrnehmen wollen. Tatsächlich legen sie mehr Wert darauf zu streiten und sich gegenseitig zu hänseln. Vor allem das Mädchen, das nur noch ein Bein besitzt, stellt sich über die anderen und macht sie runter. Durch ihr anstrengendes Gelächter wird von Anfang an dafür gesorgt, dass man sie als Zuschauer nicht besonders gut leiden kann.

Im Film existiert praktisch keine Musik, was dafür sorgt, dass der Film generell sehr leise ist, da auch die Charaktere nicht sehr viel reden. Zwischenzeitlich meine ich leise eine Hintergrundmelodie gehört zu haben, aber das kann auch ein Klingelton von einem Handy gewesen sein.

Der Film ist nur 66 Minuten lang, aber trotzdem schleppend. Er hat einige Längen und konnte mich dadurch nicht wirklich packen. Auch habe ich wahrscheinlich die Botschaft hinter der Geschichte nicht verstanden.

Als der Vorhang fiel, hörte ich einen jungen Mann in der Reihe hinter mir sagen: „What the fuck!“, und ich kann ihn verstehen. Im Grunde war es eine Stunde verschenkter Lebenszeit.

19.02.2013, Johanna Gosten
Eine wahnsinnig anstrengende und nicht unbedingt lehrreiche Stunde verbringt man im Kino, wenn man La Piscina schaut. Ich hatte doch etwas mehr erwartet, da es sich ja um einen Cross-Section-Film handelte und es um ein so ernstes und so wenig beachtetes Thema geht - Behinderungen und wie die Menschen selbst und "gesunde" Menschen damit umgehen (sollten). La Piscina ist dafür aber ein recht schlechtes Beispiel. Anstatt in dieser kleinen Gruppe zusammenzuhalten und sich gegenseitig zu schützen und zu unterstützen, gingen vor allem vom Mädchen in der Truppe, Diana, nur Beleidigungen und hämische Bemerkungen aus. Das schlimmste an ihr war aber, dass sie sich nicht einmal traute, diese selbst in den Raum zu stellen, sondern ihren Kumpel brauchte, der praktisch als ihr Lautsprecher funktionierte.

Mich hat auch immer wieder gewundert, warum der Schwimmlehrer nicht dazwischengegangen ist, als sich die vier, bzw. nur Diana und der schweigsame Junge, dessen Namen ich schon vergessen habe, immer wieder unschöne Dinge an den Kopf geworfen haben. Stattdessen saß er nur da und lauschte interessiert ihrem Wortwechsel, versuchte nicht, den Streit zu schlichten, sondern überließ sie alle sich selbst.

Durch die fehlende Musik und die vielen schweigsamen Momente hatte der Film unglaublich viele Längen, in denen ich hin und wieder und vor allem gegen Ende fast eingenickt wäre. In dem Glauben, es handele sich um einen 90-Minuten-Film konnte ich nur entgeistert aufstöhnen, als bei einem Blick auf die Uhr erst knapp eine Stunde um war. Ich denke, La Piscina hätte er ein schöner und teilweise lehrreicher Kurzfilm werden können in der Hinsicht, zu sehen, dass manche Behinderte schon so verbittert sind, dass sie nicht einmal mehr untereinander zusammenhalten wollen. Aber diese Aussage sollte man voreilig nicht treffen, da das mit Sicherheit vor allem nicht auf alle Behinderten zutrifft. In diesem Sinne also trotzdem nichts gelernt, wodurch diese Stunde eben gerade so uninteressant und unnötig wird.

Tough Bond

Titel: Tough Bond
Regie: Austin Peck, Anneliese Vandenberg
USA 2012 ○ 83 Min.
Suaheli/Englisch ○ englische Untertitel
Dokumentarfilm

Kamera: Austin Peck, Anneliese Vandenberg
Musik: Johan Karlsberg, Seye Adelekan, Esau Mwamwaya
Schnitt: Sam Citron, Austin Peck, Anneliese Vandenberg
Produzenten: Austin Peck, Anneliese Vandenberg


Mi. 13.02. 17:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Fr. 15.02. 11:30 Uhr
CinemaxX 3
Sa. 16.02. 15:30 Uhr
Cubix 8

Inhalt
Für mich, wenn ich Klebstoff schnüffle, kein Stress wegen Essen. Ich hab keinen Hunger, keinen Stress. Wenn es kalt ist und du schnüffelst, ist dir nicht kalt.
Solange du high bist, ist alles gut. Sobald die Wirkung nachlässt, fühlst du dich schlecht ohne einen Cent in der Tasche. Das ist der Alltag der Straßenkinder in Kenia. Geflüchtet aus den Dörfern, in denen die Tiere an der Trockenheit sterben, verlassen von Eltern, die sich nicht um sie kümmern, lungern sie in den Städten herum und schlagen sich durch. Früher waren andere für sie da, die Nachbarschaft, das Dorf. Heute sind sie auf sich allein gestellt.

Content
For me when I huff glue, no stress for food. I don‘t feel hungry, no stress. When it‘s cold and you sniff , you don‘t feel cold.
As long as you‘re high, everything‘s fi ne. But as soon as the eff ect wears off , you feel terrible and you haven‘t a cent in your pocket. This is everyday life for homeless street children in Kenya. Having fled from their villages where the animals died due to drought, abandoned by parents who no longer care for them, they hang around in the towns, trying to make it through each day. In the past, neighbours or villagers would take care of them – but now they have to look after themselves.


14.02.2013, Johanna Gosten
Ich dachte mir schon vor Beginn des Films, dass er interessant werden würde, aber da er als Dokumentarfilm bezeichnet war, hatte ich erst die Befürchtung, dass zwischendurch immer wieder eine einschläfernde Stimme aus dem Off etwas erklären würde, aber glücklicherweise war dem nicht so. Das hätte die Wirkung der schockierenden Bilder wohl auch etwas zunichte gemacht. Um das Leid der Kinder prägnant darzustellen, reichten schon die Filmaufnahmen und gelegentlichen Worte der Kinder selbst.
Und beides hat mich sehr mitgenommen. Dass Kinder fast von ihre Eltern umgebracht werden oder aus sonstigen Gründen auf der Straße leben müssen, dieser Gedanke ist furchtbar. Ebenso die Tatsache, dass sie Kleber schnüffeln, um ihre Sorgen zu betäuben.

Mir hat vor allem der Vergleich von "mit Kleber" und "ohne Kleber" gefallen. Zu Anfang und am Ende wurde ja eine Familie gezeigt, die vollkommen ohne Kleber und auch ohne Elektronik oder Sonstiges auskam. Im Vergleich dazu all die Straßenkinder, die wie eine große vertraute Familie sind, solange alle Kleber schnüffeln. Vor allem die Sicht anderer Erwachsener war schockierend. "Es gibt gar keine Straßenkinder in Nairobi mehr", meint beispielsweise der kenianische Vize-Präsident. Oder die Behaputung des einen Kleinhändlers, er würde Kleber nie direkt an die Kinder verkaufen und dann wird er doch etliche Male dabei beobachtet und auch gefilmt. Es ist schrecklich, dass Erwachsene, die für sich selbst sorgen können, die Sucht der obdachlosen Jugendlichen so ausnutzen und dadurch fördern.

Im Laufe des Films hat sich immer wieder mein Sinn für Gerechtigkeit gemeldet. Man bekommt einfach automatisch den Drang, zu helfen. Diese Jugendlichen zu unterstützen, ihnen einen Job zu geben, irgendetwas, woran sie sich mal festhalten können. Sie können, oder wollen sich nicht einmal Kondome leisten, die sie vor HIV schützen würden, oder davor, so viele Kinder zu kriegen, dass sie sich kaum noch über Wasser halten können. Und dann kommt das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn man realisiert, wie schwer es ist, diesen Leuten wirklich und nachhaltig zu helfen.

14.02.2013, Sarah Gosten

Tough Bond ist ein Dokumentationsfilm, der die Straßenkinder aus verschiedenen Orten Kenias auf ihrem Weg Schritt für Schritt begleitet. Ohne Verherrlichung zeigt der Film, wie die armen Kinder auf der Suche nach etwas, wodurch sie ihre schlechte Situation nur für ein paar Stunden vergessen können, den Kleber zur Hand nehmen und ihn schnüffeln. Die ganze Straße entlang laufen sie mit Flaschen voller Kleber vorm Mund. Es ist schockierend, dass sie sich nicht anders zu helfen wissen.

Als ein Mädchen positiv auf HIV getestet wird, scheint sie sich dem Ernst ihrer Lage nicht bewusst zu sein. Durch die Unkenntnis, dass diese Krankheit so gefährlich ist, verbreitet sie sich schnell immer weiter, da die Jugendlichen keine Verhütungsmittel benutzen.
Die Kinder gehen nicht zur Schule, wissen nichts mit sich anzufangen und schnüffeln den ganzen Tag. Wenn sie mal für Arbeit bezahlt werden, geben sie das verdiente Geld gleich wieder für Kleber aus, damit sie in der Nacht dann so viel davon inhaliert haben, dass sie gar nicht mehr merken, wie kalt es ist.

Der Film ist ziemlich krass. Dadurch, dass es eine Dokumentation ist, ist es noch erschütternder. Man weiß, dass das alles real ist und in Wirklichkeit auch passiert. Ich für meinen Teil war entsetzt, dass die armen Straßenkinder den ganzen Tag den Kleber „Tough Bond“ (daher der Name des Films) schnüffeln. Das hätte ich nie gedacht.

Auf diese Weise war der Film sehr beeindruckend und wachrüttelnd, doch ich muss sagen, dass mir das nach einer gewissen Zeit einfach zu viel wurde. Ich hätte mir gewünscht, dass der Film früher geendet hätte, da ich irgendwann nichts mehr aufnehmen konnte und nur noch deprimiert und schockiert war.

Ein Film, der einem die Augen öffnet und zeigt, wie schlecht es doch den Straßenkindern in diesem afrikanischen Land geht. Auch wenn er schockierend ist, ist er es Wert gesehen zu werden. Man sollte sich nicht davor verschließen, was in anderen Ländern passiert.

Liv Thastum
 “Tough Bond“ ist ein schockierender und sehr berührender Dokumentarfilm.

Der Film beginnt und endet in einem kleinen Dorf am Ufer des „Lake Turkana“.
Es war unglaublich zu sehen wie die Menschen dort leben: Total abgeschottet und auf ihre außergewöhnliche, traditionale Weise.
Man bekommt Einblick in das Leben der Straßenkinder in unterschiedlichen Großstädten.
Ich fand es überwältigend diese Kinder reden zu hören. Wie sie ihre Geschichten und Gefühle beschrieben haben, hat mich sehr berührt. Gleichzeitig war ich total schockiert, dass es Kinder gibt die so schrecklich leben müssen. Und mir ist wieder einmal klar geworden, wie gut ich es habe.

Dieser Film behandelt ein sehr ernstes Thema, aber ich finde es wichtig darüber zu reden. Diesen Kindern geht es so schlecht...man muss etwas tun. Manchmal müssen wir uns auch mit den nicht so schönen Dingen beschäftigen. Dieser Film tut das.

“Tough Bond“ ist ein außergewöhnlicher Film, der mich begeistert und völlig durcheinander gebracht hat. Man taucht völlig weg in die Welt dieser unglaublichen Straßenkinder. Durch passende Musik, eine besondere Kameraführung und natürlich den fantastischen Erzählungen der Straßenkinder, wird dieser Film zu einem berührenden Kinoerlebnis.
 

 

Das Gewicht der Elefanten

Titel: Das Gewicht der Elefanten

CROSS-SECTION
Originaltitel:The Weight of Elephants
Regie: Daniel Joseph Borgman

Neuseeland, Dänemark 2013 ○ 87 Min.
Englisch ○ dt.UT, ohne Einsprache
empfohlen ab 12 Jahren

Drehbuch: Daniel Joseph Borgman
Kamera: Sophia Olsson
Schnitt: Molly Malene Stensgaar
Musik: Kristian Selin Eidnes Andersen
Produzentinnen: Katja Adomeit, Leanne Saunders
mit: Demos Murphy, Matthew Sunderland, Catherine Wilkin, Angelina Cottrell

So. 17.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Der zehnjährige Einzelgänger Adrian lebt in seiner ganz eigenen Traumwelt. Als zwei Mädchen in seinem Alter in die Nachbarschaft ziehen, interessiert er sich gleich für die geheimnisvolle Nicole, die genauso ein Außenseiter ist wie er selbst. Oder könnte sie etwa eines dieser entführten Kinder sein, von denen immer im Fernsehen berichtet wird?

Content
Adrian, a ten-year-old loner, lives in his very own dream world. When two girls of his age move into the neighbourhood, he immediately develops an interest in the mysterious Nicole, who is just as much an outsider as himself. Or is she maybe one of the abducted children that are always reported missing on television?

19.02.2013, Sarah Gosten

Das Gewicht der Elefanten. Ungefähr von dem Gewicht der Elefanten fühlt man sich nach dem Film erschlagen.

Es ist ein ziemlich trauriger Film, der von dem jungen Adrian handelt. Er ist ein Außenseiter und das macht ihm sehr zu schaffen. Als sich schließlich auch sein bester Freund von ihm abwendet, um zu den anderen dazuzugehören, zieht Adrian sich noch weiter in seine eigene Welt zurück.
Er lernt Nicole kennen, die ebenfalls eine Außenseiterin ist; mit ihr und ihrer Schwester versteht er sich gut. Dennoch hat er das Gefühl, dass ihn nach und nach alle verlassen.

Mit trauriger Musik ist diese deprimierende Geschichte untermalt. Man hat Mitleid mit dem armen Jungen.

Die beiden Hauptdarsteller haben gute Arbeit geleistet. Die Handlung war leicht nachzuvollziehen und ich konnte mich gut in deren Situation hineinversetzen. Zum Ende hin wurde der Film spannender, wodurch sich ein schöner Abschluss ergab.

Mir hat der Film gut gefallen. Er ist es definitiv wert gesehen zu werden, aber man sollte wirklich auf die Altersangabe achten. Jünger als 12 sollte man definitiv nicht sein, wenn man sich diesen Film anguckt.

19.02.2013, Johanna Gosten
Dieser Film ist unheimlich erdrückend und wiegt sehr schwer. Denn niemand wird gern im Stich gelassen. Und vor allem keine Kinder. Vor allem nicht, wenn sie es von den eigenen Eltern erleben müssen. Egal, ob sie einen nun verlassen oder sterben - Kinder und Eltern sollten nicht getrennt werden, denn es kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Psyche eines Jungen Menschen haben.

Und das fängt Das Gewicht der Elefanten erschreckend greifbar ein. Man kann die Einsamkeit von Adrian und Nicole gut nachvollziehen, vor allem, da Adrian im Laufe des Films auch sein neu gefangenes Kaninchen loslassen muss und seinen Onkel Rory verliert, der ihm so kurz zuvor noch versprochen hatte, immer für ihn da zu sein. Der Darsteller Demos Murphy konnte die Gefühle seines Charakters Adrian sehr treffend ausdrücken - Trauer, Verwirrung, Stolz, Freude - man konnte es ihm an den Augen ablesen. Genauso war es mit der verschlossenen Nicole. Sie war erst ein Kind, doch wirkte sie schon sehr viel erwachsener für ihr Alter als andere Mädchen. Man lebt wahrscheinlich auch ganz anders, wenn man seiner Mutter täglich beim Sterben zusehen muss.

Durch ihr wachsendes Gefühl, verlassen zu werden, bald allein zu sein, lässt es sich auch nachvollziehen, warum es ihr für einen Moment fast gleichgültig war, ob sie leben oder sterben würde. Und der Augenblick war erschreckend, denn die Gleichgültigkeit stand Angelina Cottrell ins Gesicht geschrieben.
Etwas anderes als ein offenes Ende hätte zu diesem erschreckenden und zermürbenden Film wohl nicht wirklich gepasst, da schon die ganze Zeit sehr viel mit Symbolen gearbeitet wurde und überhaupt sehr viel zur Interpretation gedacht war, wie diese Sache mit den verschwundenen Kindern.

Die wunderschöne Musik von Kristian Selin Eidnes Andersen begleitet einen durch den gesamten Film, unterstreicht die wenigen fröhlichen Momente, die tragische Botschaft, dass Kinder nicht im Stich gelassen werden sollten, die ernsten Momente, die zu dieser Botschaft hinarbeiteten. Ebenso das Spiel mit der Kamera. Mir kam es so vor, als hätte die Kamera nicht einfach nur aufgenommen, nein, sie trägt auch einige entscheidene Elemente bei. Zum Beispiel die Wellenbewegung, als sich Adrian im Boot befindet und sich beim Rudern einfach nur wegträumen möchte. Die indirekten Aufnahmen der verschwundenen Kinder am Anfang des Films. Oder die Einblendung der zerbrochenen Gläser am Baum, jedoch im Hintergrund die spielenden Kinder. Die Bilder, die der Film zeigte, waren schon kleine Symbole und Botschaften in sich. Das hat Sophia Ollsen wirklich atemberaubend gut hinbekommen.

Liv Thastum
Dieser Film geht mir, seit ich ihn gesehen habe nicht mehr aus dem Kopf. Ich glaube dieser Film ist sehr schwer zu verarbeiten. Diese schlimme Geschichte des kleinen Jungen Adrian fand ich unglaublich bedrückend. Ein harter, sehr besonderer und einfach unbeschreiblicher Film.

Touch of the Light

Titel: Touch of the Light
Regie: Chang Jung-Chi
Taiwan, Hongkong/China 2012 ○ 110 Min.
Mandarin ○ englische Untertitel

Drehbuch: Li Nien-Hsiu
Kamera: Dylan Doyle
Musik: Wen Tzu-Chieh, Huang Yu-Siang
Schnitt: Li Nien-Hsiu
Produzenten: Jacky Pang Yee Wah, Cheung Hong Tat
mit: Huang Yu-Siang, Sandrine Pinna, Lee Lieh


So. 10.02. 20:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Di. 12.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3
So. 17.02. 15:30 Uhr
Cubix

Inhalt
Wenn ich sehen könnte, würde ich alleine rausgehen und ein hübsches Café suchen. Am Fenster sitzen. Ganz normale Sachen.
Yu-Siang kann nicht sehen, dafür umso besser hören. Musikalisch hochbegabt, zieht er aus der Provinz in die Hauptstadt Taipeh, um dort Klavier zu studieren. Wie kommt er dort ohne die Hilfe der Familie zurecht? Jeden neuen Weg muss er sich ertasten. Die Teeverkäuferin Jie ist ihm schnell vertraut, weil ihre Leidenschaft für den Tanz genauso tief gründet wie Yu-Siangs Gespür für Musik. Die zaghafte Freundschaft hilft beiden dabei, ihren Träumen zu folgen.

Content
If I could see, I‘d like to be able to go out on my own and find a cute cafe. Sit by the window. Just ordinary stuff.
Yu-Siang can‘t see, but he can hear so much the better for it. Highly gifted musically, he moves from the countryside to the capital Taipei in order to study piano. How will he get along there without the help of his family? He has to feel his way in every new excursion. The tea salesgirl, Jie, becomes his confi dant. Her passion for dance is as deep as Yu-Siang‘s love for music. The tentative friendship helps both of them to follow their dreams.




10.02.2013, Johanna Gosten
Standing Ovations, unglaublich lang anhaltendender Applaus und die ein oder andere Träne im Auge machen klar - dieser Film ist preisverdächtig. Ich muss sagen, ich hatte extrem hohe Erwartungen an den Film, die vermutlich sehr schwierig zu halten waren, aber Touch of the Light konnte sie ohne Schwierigkeiten halten.

Dieser Film bringt einem auf eine wunderbare, rührende Art und Weise näher, mit welchen Problemen sich blinde Menschen herumschlagen müssen, und wie viel wir von ihnen eigentlich lernen können, wie eine Frau im Publikumsgespräch sehr richtig bemerkte. Es war einfach faszienierend, wie der musikalisch hochbegabte Siang die Welt wahrnahm, welche Dinge ihm an den Menschen wichtig waren, und wie sehr er beim Musizieren auflebte. Mich selbst überkam immer wieder der Wunsch, auch einmal so spielen zu können, wie Siang, aber irgendwo tief in mir drinnen verstand ich gleichzeitig auch, dass ich das vielleicht nie würde tun können. Vielleicht sind solche Dinge, solche Begabungen, der Ausgleich für Menschen, die seit der Geburt so viel mehr Schwierigkeiten haben, als "Normalos". Was ihnen an Sehkraft fehlt, das haben sie irgendwo anders. Und mit der Fähigkeit, atemberaubende Musik zu erzeugen, hat Siang gleichzeitig auch die Kraft, Menschen zu verzaubern, sie irgendwo ganz tief zu berühren.

Ich habe länger über die Worte des einen Jungen im Film nachgedacht. "Er hat nur gewonnen, weil er blind ist." Und während ich so darüber nachdachte, wurde mir klar, dass das zwar zu einem Teil wahr ist - und zwar wenn man das "nur" weglässt und ein "auch" dagegen eintauscht. Da Siang blind ist, macht es das für ihn noch etwas schwieriger als für Kinder mit Sehkraft, solche Taten zu vollbringen, und deshalb ist es besonders. Die ganze Geschichte wird so berührend und interessant, weil es um die Geschichte eines blinden Jungen geht, der langsam lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Aber diese Argumentation geht nur zu einem gewissen Punkt. Denn das alles sind nur zusätzliche Gründe dafür, dass dieser Film so faszinierend war. Es geht um die Leidenschaft für Tanz und Musik, die die beiden Hauptdarsteller verfolgen, den Willen, alles dafür zu geben, es zumindest zu versuchen. Und dass all das einem blinden Jungen passiert, das macht das Ganze so rührend.

Es ist ziemlich schwer, die richtigen Worte zu finden. Wenn man schon einmal versucht hat, die Worte für einen wirklich atemberaubenden Film zu finden, dann weiß man, was ich meine. Ich kann Touch of the Light nur empfehlen. Es ist ein Film, der einem sehr nahe geht, der einen bezaubert mit der wunderschönen Musik. Wer noch Zeit hat, diesen Film bei der Berlinale zu sehen, der sollte es auf jeden Fall tun!

Die ewige Nacht der zwölf Monde

Titel: Die ewige Nacht der zwölf Monde
Originaltitel:La Eterna Noche de las Doce Lunas
Regie: Priscila Padilla

Kolumbien 2013 ○ 87 Min.
Dokumentarfilm
Spanisch/Wayunaiky ○ dt. Einsprache, engl. UT
empfohlen ab 12 Jahren

Drehbuch, Produzentin: Priscila Padilla
Kamera: Daniela Cajias
Schnitt: Ximena Franco
Musik: Danny Rubio, Sol Okarina

Mi. 13.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Do. 14.02. 11:30 Uhr
CinemaxX 3
So. 17.02. 12:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Während der Zeit in Klausur stärken wir Frauen Seele und Geist und lernen, widerstandsfähig zu werden.
Pili ist zwölf Jahre alt, als sie für ein Jahr in eine einsame Hütte zieht. So will es der alte Brauch ihrer Gemeinschaft der Wayuu. Ihre Großmutter glaubt, dass ein Mädchen nur so zu einer guten Frau werden kann. Doch zwölf Monde sind eine sehr lange Zeit und es ist oft einsam, so ganz ohne die Freunde aus der Schule, mit denen sie lachen konnte. Pili webt ihre bunten Tücher, während draußen vor der Lehmhütte das Dorfleben einfach weitergeht. Immer wieder gibt es Belehrungen. Will Pili ihr Leben wirklich so führen, wie die Alten es ihr vorschreiben?

Content
It´s during seclusion that we, the women strengthen our soul and spirit and learn to become tough.
When Pili reaches the age of twelve, she moves into an isolated hut for a year. This is what she‘s required to do according to the customs of her people, the Wayuu. Her grandma believes it‘s the only way a girl can develop into a good woman. But twelve cycles of the moon is a very long time, and it‘s lonely for Pili now that she can‘t even laugh with her school friends. Pili weaves her coloured cloths while village life just carries on as normal outside her mud hut. Again and again she has to listen to the advice of the elders. Does Pili really want to live her life in the way that they dictate?

17.02.2013, Sarah Gosten

Ein Jahr lang abgeschieden in einer Hütte. Ohne Erlaubnis von jemand anderem als ihrer Lehrerin besucht und gesehen zu werden. Ohne Erlaubnis zu lachen. Das ist die Seklusion. Die Zeit nach der ersten Menstruation, in der die Mädchen alleine zur Ruhe kommen sollen. Nur wenn man die Seklusion ein Jahr lang übersteht, wird man in der Gemeinschaft der Wayoo anerkannt. Nur dann hat man die Chance auf einen guten Brautpreis.

In dieser Situation befindet sich Pili, die sich dazu entschlossen hat, diesen alten Brauch fortzuführen, obwohl längst nicht mehr alle dieser Sitte folgen. Ein Jahr lang soll sie ruhig in ihrer Hütte sitzen und die alten Künste der Wayoo lernen. Vor allem das Weben ist in dieser Gemeinschaft sehr wichtig.

Doch der Film beginnt schon früher. Er zeigt die Alten der Gemeinschaft, die Pili alle mit unterschiedlichen Worten überzeugen und bestärken wollen, dass die Seklusion sehr wichtig für sie sei. Im Grunde scheint es fast so, als hätte sie keine Wahl.

Die ewige Nacht der zwölf Monde ist ein sehr informativer Film aus dem Norden Kolumbiens über die dort weitverbreitete Sitte der Seklusion. Tatsächlich wurde ich den ganzen Film über mit so vielen Informationen über diesen Brauch überschüttet, dass ich nach einer Weile nicht mehr ganz so aufnahmefähig war. Dennoch ist dieses Thema sehr interessant. Bisher hatte ich noch nie einen Film darüber gesehen oder irgendein Buch gelesen, was davon handelt, deswegen finde ich es toll, dass ich auf der Berlinale endlich die Chance dazu bekam.

Der Film hat mich ziemlich zum Nachdenken angeregt. Was würde ich in dieser Situation tun? Würde ich das überhaupt durchhalten, ein Jahr lang einsam und allein in einer Hütte zu hocken ohne meine Freunde? Wäre mir dieses Ritual überhaupt wichtig?

Es ist immer wieder spannend, Filme von anderen Teilen der Erde zu sehen und diesen fand ich sehr interessant. Sicherlich finden nicht alle dieses Thema ansprechend (vor allem wahrscheinlich Männer), aber dieser Film ist dennoch eine attraktive Gelegenheit, die Seklusion näher kennenzulernen.

19.02.2013, Johanna Gosten
Die Ewige Nacht der Zwölf Monde ist eine Art Dokumentarfilm. LANGWEILIG! Also gut, dass die Generation ihn im Programm nicht als solche ausgeschildert hat, würde ich mal sagen. Denn in dem Film wird auf eine sehr leise, berührende und interessante Weise das Leben von Pili in der Seklusion aufgenommen. Pili lebt für ein Jahr lang in einer Hütte un darf nur von Frauen besucht werden, damit der Brautpreis steigt. Sie darf nicht lachen, darf sich stundenlang nicht bewegen, wird bei Mondschein gebadet und webt, was das Zeug hält. Und das alles nur, weil ihre Großmutter es möchte.

Während die Kamera oft und lange auf Pilis Gesicht gerichtet ist, wird jede Regung eingefangen. Auch wenn sie sich sehr gut darauf versteht, ihre Gefühle zu verbergen und nicht viel zu reden, merkt man ihr an, dass sie das Ganze eigentlich nicht selbst will und sie wirkt auch etwas traurig und einsam. Ich denke, man muss sich bei diesem Film auch viel selbst dabei denken, ihren Gesichtsausdruck interpretieren und ihren Tonfall.

Ich hatte vorher noch nie davon gehört, dass Mädchen auf anderen Teilen der Erde in die Seklusion gehen sollen oder es auch wollen, weil sie es nicht anders kennengelernt haben. Daher fand ich es sehr interessant, gleich so einen informativen und nicht gerade langweiligen Film dazu zu sehen. Teilweise sind zwar einige Fragen offen geblieben, aber wie gesagt ist wohl auch viel zur Interpretation gelassen. Der Zuschauer schafft sich ein eigenes Bild über die Seklusion und kann in den stillen Momenten des Films in Ruhe darüber nachdenken.

The Cold Lands

Titel: The Cold Lands
Regie: Tom Gilroy
USA 2012 ○ 100 Min.
Englisch

Drehbuch: Tom Gilroy
Kamera: Wyatt Garfield
Musik: Hahn Rowe
Schnitt: Julia Bloch
Produzenten: Paul Mezey, Andrew Goldman
mit: Silas Yelich, Lilli Taylor, Peter Scanavino


Sa. 09.02. 20:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mo. 11.02. 15:30 Uhr
Cubix 8
Di. 12.02. 16:30 Uhr
CinemaxX 3

Inhalt
Die meisten Leute wollen einfach nur glücklich sein. Das sagt meine Mama.
Atticus wohnt mit seiner Mutter zurückgezogen in einem Holzhaus im Wald. Zum Leben brauchen sie wenig, weder Strom noch die Hilfe anderer Leute. Als seine Mutter plötzlich stirbt, flieht Atticus in die schützende Tiefe des Waldes. Hier kennt er sich aus, schläft nachts im Moos, ernährt sich tagelang von Kräutern und Beeren. Aus einer bedrohlichen Situation rettet ihn ein Fremder. Der lebt so frei und unabhängig, wie es sich Atticus‘ Mutter immer gewünscht hat.

Content
Most people just want to be happy. That is what my mum says.
Atticus lives with his mother, in an isolated cabin in the woods. They don‘t need much to get by, neither electricity nor anybody‘s help. When his mother suddenly dies, Atticus withdraws to the sheltering depths of the forest. He knows his way around there, sleeps in the moss at night, sustains himself for days on herbs and berries. Then a stranger saves him from a dangerous situation, a stranger who lives as freely and independently as Atticus‘s mother always wanted to.


Sarah Gosten

Es scheint ein sehr beliebtes Thema geworden zu sein: die Verbindungen zu der Natur. Filme, in denen Menschen, meist Jugendliche, den Weg zurück in die Natur finden, um dort zu leben. Das habe ich nun schon in drei Filmen auf dieser Berlinale erlebt und es ist erst Tag 2.

Sie alle haben eine gewisse Ähnlichkeit. Viel Landschaft, die Musik ist besonders ausgeprägt, vergleichsweise wird sehr wenig gesprochen und einige Szenen kommen in jedem dieser Filme vor. Doch trotzdem sind sie alle auch sehr unterschiedlich und es lohnt sich definitiv sie anzugucken.

The Cold Lands erzählt die Geschichte eines 11-jährigen Jungen, – so alt soll er zumindest sein, meiner Meinung nach wirkte er eher wie 13 oder 14 – der im Schock in den Wald flüchtet, als seine Mutter in Folge einer Herzattacke ins Krankenhaus eingeliefert wird. Während er überall gesucht wird, lebt er eine Zeit lang zurückgezogen im Wald, bis er schließlich von einem Fremden aus einer brenzligen Situation gerettet wird. Nun ziehen sie zusammen weiter. Doch auch der Retter von Atticus – so heißt der Protagonist – ist aus Sicht des Zuschauers nicht die geeignetste Person, um auf ihn aufzupassen. Er hat keine Arbeit, zieht umher, versucht selbstgemachte Schmuckstücke zu verkaufen und kommt dabei kaum über die Runden. Doch sie lernen beide im Laufe der Zeit etwas Verantwortung zu übernehmen.

Im ganzen Film herrscht eine gewisse Ungewissheit, worauf das Ganze eigentlich hinauslaufen soll. Viele Fragen bleiben unbeantwortet und können auch nur durch das ausführliche Publikumsgespräch im Anschluss an den Film geklärt werden.

Es ist ein ziemlich typischer, vielleicht etwas verwirrender Berlinalefilm und mir hat er gut gefallen.

Abschließend bleibt mir nur zu sagen, dass, wenn einem generell die Art dieser Filme gut gefällt, man auch an diesem Film seine Freude haben kann. Allerdings hat mir der Film echt im Nachhinein nochmal besser gefallen, nachdem einige ungelöste Fragen vom Regisseur etwas näher erläutert worden waren.

Johanna Gosten
The Cold Lands ist einer der Filme, die man viel besser versteht, wenn man dem Publikumsgespräch lauscht. Als der Vorhang fiel, dachte ich erstmal nur "Aha". Doch als der sehr sympathische Regisseur zu erzählen begann, was er sich eigentlich bei dem Film gedacht hatte, gingen mir so einige Lichter auf.

Es handelt sich um einen sehr ruhigen und nachdenklichen Film, der viel in der Natur spielt und durch viel Musik untermalt wird. Die Absicht des Regisseurs, einen Film über einen Jungen zu drehen, der gerade anfängt, über mehr Dinge nachzudenken, die Welt zu spiegeln, sie ganz anders wahrzunehmen, ist ihm meiner Meinung nach wirklich gelungen. Der Film brauchte kaum Darsteller, was es aber wohl kaum leichter gemacht hat, die passenden Schauspieler zu finden. Dennoch ist wirklich jeder Charakter perfekt besetzt. Die alte Frau von neben an, Atticus, seine Mutter.
Außerdem stimmte einfach die "Chemie" zwischen Silas und Peter, den beiden Hauptdarstellern. Es kam zu wirklich interessanten Dialogen und auch wenn die beiden sehr ungleich waren und man sich den Charakter, den Peter Scanavino verkörperte, vielleicht nicht gerade als den geeignetsten neuen, nunja, Vaterersatz vorstellen würde, bauen die bauen doch so etwas wie eine Beziehung zueinander auf.

Abgesehen davon sind natürlich die Landschaftsaufnahmen atemberaubend. Die Kameraführung war auch großartig. Wyatt Garfield hat die Szenen im richtigen Winkel erfasst. Auf weiten Wiesen, einsamen Straßen, von oben oder unten, es hat einfach immer gestimmt - Respekt!

Die Rakete

Titel: Die Rakete
Originaltitel:The Rocket
Regie: Kim Mordaunt

Australien 2013 ○ 96 Min.
Lao ○ dt. Einsprache, engl. UT
empfohlen ab 11 Jahren

Drehbuch: Kim Mordaunt
Kamera: Andrew Commis
Schnitt: Nick Meyers
Musik: Caitlin Yeo
Produzentin: Sylvia Wilczynski
mit: Sitthiphon Disamoe, Loungnam Kaosainam, Thep Phongam

So. 10.02. 10:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mo. 11.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3
Fr. 15.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 2

Inhalt
Hier ist kein guter Ort, um mit einem Unglückszwilling wie mir zu leben.
Die Suche nach einem neuen Zuhause führt den zehnjährigen Ahlo und seine Familie auf eine schicksalhafte Odyssee durch das laotische Hinterland. Seine strenge, abergläubische Großmutter sagt, dass er Unheil über die Familie bringt, und bald glaubt er selbst an die zerstörerische Kraft des Fluches. Trost findet er bei seiner Freundin Kia, und zu zweit ist er als Außenseiter nicht mehr allein. Um sich endlich als Glücksbringer zu beweisen, nimmt Ahlo an einem spektakulären Wettbewerb mit selbstgebauten Raketen teil.

Content
This is not a good place to be with a bad luck twin like me.
The search for a new home leads ten-year-old Ahlo and his family on a fateful odyssey through the Laotian countryside. His strict, superstitious grandmother says that he brings the family bad luck, and soon even he himself starts to believe in the destructive power of the curse. He finds comfort in his friendship with Kia, and at her side the outsider is no longer alone. In order to finally prove that he can be the bringer of good fortune as well, Ahlo takes part in a spectacular competition for self-built rockets.


16.02.2013, Johanna Gosten
Ein würdiger Gewinner
Das dachte ich schon, während die Kinderjury ihren Text über den diesjährigen Gewinnerfilm des Gläsernen Bären vorlas. Dass von The Rocket die Rede war, erkannte man schon nach dem ersten Satz.

Der Film handelt von dem Jungen Ahlo, der ein Zwilling ist. Da sein Bruder schon im Bauch seiner Mutter gestorben ist, hält seine Großmutter ihn für den verfluchten Zwilling, der nur Unglück bringt. Und das scheint auch immer wieder der Fall zu sein. Wo auch immer Ahlo hinkommt, es passieren ihm und den Menschen, die er liebt, schrecklicher Dinge - allen voran der plötzliche und gewaltsame Tod seiner Mutter, die sich immer für ihn eingesetzt hat.

Nach dieser Stelle des Films ist es im Saal totenstill. Der Schock über das eben Gesehen sitzt tief und spätestens ab jetzt wird man von den Geschehnissen gefesselt. Man möchte wissen, ob Ahlo weiterhin so schrecklich Dinge geschehen, ob er scheinbar wirklich nur Unglück bringt oder ob er nicht wenigstens einmal beweisen kann, dass das Pech nicht seine eigene Schuld ist. Ständig auf das Schlimmste gefasst fesselt einen dieser Film an den Sitz.

Etwas verwundert, aber dennoch sehr berührt, hat mich der Zusammenhalt der Familie. Auch wenn Ahlos Großmutter dachte, er bringe nur Unglück, und sein Vater auch sehr oft von ihm enttäuscht wurde, so hielten alle drei zusammen. Sie unterstützten einander auf ihrer harten Reise mit Onkel Lila und Ahlos Freundin, griffen sich unter die Arme. Sie verstanden sich zwar nicht immer blendend, aber sie blieben zusammen, was auch immer kam, und genau das macht eine richtige Familie aus.

Mit wunderschöner orientalischer Musik wird die Stimmung des Films untermalt. Jeder einzelne Charakter war passend besetzt, sie schienen ein eingespieltes Team zu sein. Die wunderschönen Aufnahmen von Laos machen Lust auf mehr, doch durch all die versteckten, noch immer scharfen Bomben, Granaten etc. ist ein tatsächlicher Besuch dieses Landes schier unmöglich. Ich finde es ziemlich mutig von den Filmemachern, auf diese Situation aufmerksam zu machen. Der Blick auf die Tatsachen wird nicht verschleiert - die Amerikaner haben hier die Bomben geworfen und viele Gebiete des Landes unnutzbar, gar unbegehbar gemacht. Selbst Kinder kennen viele Orte ihrer Heimat nicht, da es viel zu gefährlich wäre sie zu betreten, selbst Plätze ganz in ihrer Nähe, nur wenige Kilometer entfernt. Auf dieses Unglück für die Bewohner von Laos macht The Rocket aufmerksam, und zwar auf eine unheimlich bezaubernde Art und Weise.

Tang Wong

Titel: Tang Wong
Regie: Kongdej Jaturanrasmee
Thailand 2013 ○ 83 Min.
Thai ○ englische Untertitel

Drehbuch: Kongdej Jaturanrasmee
Kamera: Umpornpol Yugala
Musik: Chaibandit Peuchponsub, Apichai Tragoolpadetgrai, Yellow Fang
Schnitt: Manussa Worangsingha, Kamontorn Eakwattanakij
Produzenten: Soros Sukhum, Kongdej Jaturanrasmee, Piyaluck Mahatanasab
mit: Nutthansit Kotimanuswanich, Siripat Kuhavichanun, Sompob Sittiajarn, Anawat Patanawanichkul, Natarat Lakha

Di. 12.02. 20:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mi. 13.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3
Do. 14.02. 15:30 Uhr
Cubix 8
So. 17.02. 16:30 Uhr
CinemaxX 3

Inhalt
Warum tun wir Dinge, an die wir nicht glauben? Wer zur Hölle weiß das schon? Du hältst uns für verrückt? Bestimmt!
Vier Bangkoker Jugendliche könnten kaum unterschiedlicher sein, haben aber alle aus persönlichen Nöten die Geister eines Heiligenschreins um Hilfe gebeten. Als ihre Bitten unerwartet in Erfüllung gehen, stehen die vier vor einem Problem: Zum Dank müssen sie ihr halbherziges Versprechen einlösen und öff entlich einen Tang Wong in traditioneller Tracht tanzen. Kaum etwas könnte ihnen peinlicher sein. Um die Blamage zu verhindern, suchen sie fi eberhaft nach einem Ausweg.

Content
Why do we do things we don’t believe in? – Who the hell knows – You think we’re crazy? – Probably!
Four teenagers from Bangkok couldn‘t be more different from one another, though each of them has asked the spirits of a holy shrine for help with their personal troubles. When they fi nd their wishes unexpectedly fulfi lled, all four are faced with a problem: as a sign of thanks they must keep their half-hearted promises to dance a Tang Wong in traditional dress in public. They can hardly imagine anything more embarrassing! In order to prevent such humiliation, they feverishly search for a way out.


12.02.2013, Johanna Gosten
Tang Wong bietet einen interessanten Einblick in den schwindenden Glauben in Thailand. Wer einen Wunsch hat und im Gegenzug etwas dafür verspricht, muss das auch einhalten, sonst tritt genau das ein, was man sich nicht gewünscht hat - um das mal kurz zusammenzufassen.
Das sorgte automatisch für einiges zum Lachen, aber auch für traurige Momente und solche zum Fremdschämen. Ein Film zum (mit-)fühlen also in gewisser Weise.

Es gab eine Stelle im Film, die ich einfach nur komisch, verwirrend und unnötig fand. Und zwar, als Nut behauptete, sie sei gar keine Frau, aber dennoch würde sie bald einen mann heiraten, der sich trotzdem liebe. "Häh?!" Das war das einzige, das in meinen Kopf passte. Ich meine, das war so eine komische Antwort und so vollkommen ohne Zusammenhang und sie hat das auch so ernst gesagt. Es passte einfach nicht. Selbst wenn es daran lag, dass ihr gerade ein Junge gestanden hatte, dass er sich in sie verliebt hatte, hätte sie auch einfach sagen können, dass sie bald heiraten würde und dann wäre das Thema abgehakt gewesen. Einfach merkwürdig.

Das Ende fand ich dann ein wenig deprimierend. Es geht mir nicht wirklich darum, dass es kein Happy End gab. Sondern eher, dass es letztendlich darauf hinauslief, dass die Götter, bzw. Geister doch nicht helfen konnten oder es eben einfach nicht gemacht haben, obwohl sie sich dann doch bemüht und ihre Pflicht erfült haben. Ich frage mich einfach, ob die Botschaft des Filmes dann sagen sollte "Du musst gar nicht an Geister denken, denn sie helfen die sowieso nicht". Eigentlich hätte ich eher gedacht, dass mit so einem Film dann klar machen möchte, dass man eben mit Götter und Geistern alles schaffen kann. Und nicht das Gegenteil.

Trotz einiger Kleinigkeiten hat mir Tang Wong recht gut gefallen und ich kann ihn gut weiterempfehlen - als einen Film, der einem wie ein echter Berlinalefilm eben andere Bräuche und Glaubensrichtungen näher bringt.

Drei Kinder

Titel: Drei Kinder
Originaltitel:Twa Timoun
Regie: Jonas d'Adesky

Belgien 2012 ○ 85 Min.
Haitianisch ○ dt. Einsprache, engl. UT
empfohlen ab 11 Jahren

Drehbuch: Jonas d'Adesky
Kamera: Benjamin Morel
Schnitt: Gabriel Piron
Musik: Rafael Leloup
Produzent: Anthony Rey
mit: Jules Vitaleme, Sima Mickenson, Pierre Jean Mary

Di. 12.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mi. 13.02. 10:00 Uhr
Filmtheater am Freidrichshain
Do. 14.02. 11:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 2

Inhalt
Pierre, wo warst du, als das Erdbeben passierte? – Ich hatte eine solche Angst. 35 Sekunden dauerte es, das haben alle gesagt. 35 Sekunden sind eine ganz schön lange Zeit.
Nach dem großen Erdbeben 2010 in Haiti hauen die drei Freunde Mickenson, Pierre und Vitaleme, aus ihrem überfüllten Kinderheim ab und schlagen sich auf der Straße durch. In den Trümmern ihrer verwüsteten Heimatstadt Port-au-Prince organisieren sie ihr tägliches Leben. Sie schlafen in verlassenen Häusern, spielen mit den anderen Jungs auf der Straße Fußball, und mit ein paar Tricks bekommen sie sogar ein warmes Essen. Solange sie zusammen sind, können schmerzhafte Erinnerungen ihnen nichts anhaben.

Content
Pierre, when the earthquake happened, where were you? – I was very scared. It lasted 35 seconds, that‘s what everyone said. 35 seconds is a really long time.
After the massive 2010 earthquake in Haiti, three friends, Mickenson, Pierre and Vitaleme, leave an overcrowded children‘s home and try to survive on the street. In the ruins of their devastated hometown, Port-au-Prince, they reorganize their daily life. They sleep in abandoned houses, play football with the other boys on the street and with a couple of tricks they even manage to get a warm meal. As long as they stick together, painful memories can‘t bring them down.

Shopping

Titel: Shopping
Regie: Mark Albiston, Louis Sutherland
Neuseeland 2013 ○ 98 Min.
Englisch ○ englische Untertitel

Drehbuch: Mark Albiston, Louis Sutherland
Kamera: Ginny Loane
Musik: Grayson Gilmour
Schnitt: Annie Collins
Produzentinnen: Sarah Shaw, Anna McLeish
mit: Kevin Paulo, Julian Dennison, Jacek Koman

So. 19.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mo. 11.02. 16:30 Uhr
CinemaxX 3
Do. 14.02. 17:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1

Inhalt
Du bist ein verdammtes Naturtalent. Er ist ein verdammtes Naturtalent, oder?
Willy ist eine „Coconut“ – seine Mutter kommt aus Samoa, der Vater ist weißer Neuseeländer. Nirgendwo gehört er wirklich dazu, sein einziger Freund ist der verträumte kleine Bruder Solomon. Dann lernt Willy den verwegenen Boss einer illustren Gang kennen. Dort werden wilde Partys gefeiert, die auch mal mit Gewehrschüssen enden. Wenn sie einen Ort leerge„shoppt“ haben, zieht die Diebesgang weiter. Soll Willy mitkommen und den geliebten kleinen Bruder mit seinem jähzornigen Vater alleinlassen?

Content
You are a bloody natural. He is a bloody natural, isn’t he?
Willy is a “coconut“ – his mother is from Samoa and his father is a white New Zealander. He doesn‘t really fit in anywhere; his only friend is his daydreaming little brother Solomon. Then Willy gets to know the reckless boss of an illustrious gang, whose wild parties sometimes end in gunshots. As soon as they have finished “shopping“ a place dry, the band of thieves moves on. Should Willy join them and leave his beloved little brother alone with his quick-tempered father?


Charlotte Hochegger
Willy kann sich niemandem wirklich anvertrauen, richtig Spaß hat er nur mit seinem Bruder. Sein Job in einem Einkaufszentrum langweilt ihn ziemlich, viel lieber würde er Auto fahren lernen. Doch dann lernt Willy das Oberhaupt einer Gang kennen. Plötzlich kann er alles tun, was er will. Die Beziehung zu seinem Vater wird dabei immer schlechter, bis alles eskaliert. Dabei erkennt er, was ihm wirklich wichtig ist.

"Shopping" beschreibt auf eine sehr mitfühlende Art und Weise, die Beziehung von zwei Brüdern. Willy, der große Bruder, langweilt sich und will etwas neues erleben, gerät dabei in schwierige Kreise und weiß nicht, was ihm lieber ist: ein aufregendes Leben oder ein kleiner Bruder. Dabei hat der Film auch eine ganz andere Dimension. Er beschreibt im Neuseeland der 80er Jahre die Schwierigkeiten eines Kindes, das aus zwei verschiedenen Kulturen kommt. Willy und sein Bruder Salomon sind weder weiß, noch gehören sie in die Kreise der Samoaner.

Ich finde, dass man sich in die Situation der beiden Brüder sehr gut einfühlen konnte. Besonders gut haben mir auch die wunderschönen Landschaftsaufnahmen gefallen. Erschreckend fand ich allerdings die Szene, in der Willy von seinem Vater geschlagen wurde. Einer der beiden Regisseure sagte nach dem Film im Publikumsgespräch, dass häusliche Gewalt in dieser Zeit in Neuseeland sehr verbreitet war. Aber auch im Rest des Filmes spielt Gewalt eine große Rolle, ich finde aber, dass es nicht übertrieben wirkt. Ganz im Gegenteil, es wirkt dadurch eher realistischer. Alles in allem hat mir der Film sehr gut gefallen, am besten war für mich persönlich aber die Geschichte, die sich Willys kleiner Bruder Salomon ausgedacht hat, da sie in gewisser Weise auch den Film wiederspiegelte.

Satellite Boy

Titel: Satellite Boy
Originaltitel:Satellite Boy
Regie: Catriona McKenzie

Australien 2012 ○ 90 Min.
Englisch/Mandhalpuyngu ○ dt. UT, ohne Einsprache
empfohlen ab 11 Jahren

Drehbuch: Catriona McKenzie
Kamera: Geoffrey Simpson
Schnitt: Henry Dangar
Musik: David Bridie
Produzenten: David Jowsey, Julie Ryan, Catriona McKenzie
mit: Cameron Wallaby, David Gulpilil, Joseph Pedley

Sa. 09.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
So. 10.02. 11:30 Uhr
CinemaxX 3
Mo. 11.02. 15:30 Uhr
Filmtheater am Friedrichshain
So. 17.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3

Inhalt
Das hier ist unser Land. Es fühlt dich. Es kennt dich.
Deine Mutter kommt nicht zurück, sagt der Großvater. Aber Pete, ein Aboriginaljunge, kann das nicht glauben. Weil seine Mutter in die Stadt gegangen ist, lebt er bei seinem Jubbi auf dem Land. Der alte Mann ist nett, geht ihm aber mit seinen Geschichten oft ziemlich auf den Geist. Als ihr Zuhause, ein zerfallenes Kino, abgerissen werden soll, macht Pete sich auf zu einer gewagten Rettungsaktion. Auf seiner Reise verliert er sich im Busch, erlebt die Kräfte der Natur und die geheimnisvolle Magie seiner Vorfahren.

Content
This is our land. It is alive. It feels you. It knows you.
Your mother is not coming back, his grandfather says. But Pete, the Aboriginal boy, can‘t believe it. Since his mother moved to the city, he has to live with his granddad out in the country. He‘s nice, but sometimes he really gets on Pete‘s nerves with his old stories. As their home, a run-down movie theater, becomes slated for demolition, Pete embarks on a daring mission to save it. On his journey, he gets lost in the bush and experiences the power of nature and the mysterious magic of his ancestors.

Victor Stasik

Ein Film, der einen wie so oft auf der Berlinale berührt und zum nachdenken anspornt. Da in der Story sehr viele Gegensätze aufeinander stoßen.

Menschen, die in der Tradition verhaftet sind und die Menschen, die nach der vermeintlich besseren modernen Welt streben. Im Film werden viele Probleme angesprochen, z.B. dass Nachfahren von fast ausgestorbenen Kulturen sich immer mehr zu den Städten hingezogen fühlen und darüber traditionelle Rituale und Lebensarten in Vergessenheit geraten. Die Landschaftsaufnahmen von "Satellite Boy" waren schon etwas Besonderes, da sie sich sehr gut mit dem Film und seinen Hauptcharackteren ergänzen.

Was sehr gut thematisiert wird und was man auch spätestens am Ende des Films verstanden hat, ist das was Pepe von seinem Großvater "Jubbi", der nach traditioneller Art fühlt und lebt, gelehrt und erzählt bekommen hat, konnte ihm und seinem Freund Kalmain auf seiner 3 Tägigen Reise durch den Busch Australiens in die Stadt das Leben retten. Immer wenn der Großvater in einem Singsang nach Pepe gerufen hat und dann die gut passende Musik einsetzte, verlieh es gemeinsam mit den Bilder dem Film eine Poetische Stimmung .

Einige meinten, dass der Film leicht dem Eröffnungsfilm "Jin " der Berlinale 2013 ähnelt, aber diese Meinung kann ich nicht teilen, da er eine ganz andere Hintergrund Handlung hat. Ich bin begeistert von "Satellite Boy" und würde mich freuen weitere solche Tiefgründigen Filme auf der 63 Berlinale zu sehen.
10.02.2013, Lilly Rinklebe
Man war fast umzingelt von lächelnden  Gesichtern, die ganz deutlich sagten „süßer Film!“…

Während dieses Films habe ich oftmals im Publikum umhergeschaut, nicht weil ich gelangweilt war, sondern weil ich wissen wollte, was die Gesichter so sagten… Zumindest während der Szenen mit den beiden Jungs (aus denen der Film ja hauptsächlich bestand) sah es so aus, als bereuten die meisten Leute so ganz und gar nicht, dass sie in diesen Film gegangen waren!

Sicherlich hing das auch mit der tollen „Gute Laune“-Filmmusik zusammen, die immer dann auftauchte, wenn die beiden Jungs zusammen Spaß hatten (vor allem, wenn sie mit ihren Fahrrädern die Straße entlangradelten).

Die Beziehung zwischen den Jungs war sowieso einfach nur toll, jeder hat mal den anderen gerettet, Pete und Kalmain waren also das perfekte Duo! Auch wenn Kalmain sich eher von seiner Familie und vor allem seiner Mutter abgrenzte (die alkoholkrank war und ihn schlug) und Pete gerade besonders starke Verbundenheit zur eigenen Familie und ihrer Tradition spürte, ergänzten sich die beiden super. Vielleicht ja gerade deshalb!?

Zum Schluss beim Publikumsgespräch kam dann noch das was wir alle hören wollten; der Hauptdarsteller, der den Pete spielte meinte, er fühle sich wirklich verbundener zur Natur als zur „modernen“ Welt. Auch das passte also perfekt.

Mama, ich lieb dich

Titel: Mama, ich lieb dich
Originaltitel: Mammu, es Tevi milu
Regie: Janis Nords

Lettland 2013 ○ 82 Min.
Lettisch ○ dt. Einsprach, engl. UT
empfohlen ab 10Jahren

Drehbuch: Janis Nords
Kamera: Tobias Datum
Schnitt: Tamara Meem
Produzenten: Alise Gelze, Gatis Smits
mit:Kristofers Konovalovs, Vita Varpina, Matiss Livcans, Indra Brike

Mo. 11.02. 12:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
DI. 12.02. 15:30 Uhr
Filmtheater am Freidrichshain
Do. 14.02. 15:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt

Inhalt
Bitte besprechen sie mit Raimonds sein Verhalten. Er hat ein Mädchen mit einem BH bedroht.
Klar, dass der verschlossene Raimonds diesen Tadel unterschlägt. Seine Mutter ist ohnehin ständig gestresst. Sie hat in der Klinik viel zu tun und macht Überstunden. Oft ist Raimonds mit seinen Sorgen und Gefühlen auf sich alleine gestellt. Wenn er nicht mehr weiterweiß, fährt er mit dem Roller zum Skatepark, und die Regeln von zu Hause verblassen in der Dunkelheit der Nacht. Mit jedem Tag wird es schwieriger, kleine und größere Lügen zu verschweigen.

Content
Please discuss with Raimonds his behaviour. He was threatening a girl with a bra.
Of course shy Raimonds is upset about this reproach. His mother is already stressed-out enough. She has a lot to do at the hospital and is working overtime. Raimonds is often all on his own with his worries and feelings. When he doesn‘t know what else to do, he rides his scooter to the skate park, and the rules of home fade into the darkness of the night. With every passing day it becomes more difficult to keep quiet about lies both small and large.


15.02.2013, Mia


Lügen haben kurze Beine,…

dass muss die Hauptfigur Raimond nach und nach am eigenen Leib erfahren. „Mama, ich lieb dich“ ist ein Film, der ehrlich gesagt unter meinen Erwartungen geblieben ist. Vielleicht ist der Film für Jüngere (eher unter 10 Jahren) ganz spannend, aber für meine Altersklasse fand ich ihn eher nicht so beeindruckend. 

Pluto

Titel: Pluto
Regie: Shin Su-won
Republik Korea 2012 ○ 114 Min.
Koreanisch ○ englische Untertitel

Drehbuch: Shin Su-won
Kamera: Yun Ji-un
Musik: Ryu Jae-ah
Schnitt:Lee Do-hyun
Produzent: Francis Lim
mit: David Lee, Sung June, Cho Sung-ha, Kim Kkob-bi, Kim Kwon

Mi. 13.02. 20:00 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Do. 14.02. 09:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Fr. 15.02. 14:00 Uhr
CinemaxX 3

Inhalt
Die Angst treibt sie zum Lernen an. Jeder, der ihre Position gefährdet, ist ein Auslöser von Angst. Darum haben sie keine Schuldgefühle.
Die Auslese an der Highschool ist sehr streng. Eine wirkliche Chance haben nur die Allerbesten. Angeblich. June ist intelligent, doch seine Familie hat weder Geld noch gute Beziehungen. So kommt er trotz aller Bemühungen nicht voran. Als man ihn sogar verdächtigt, einen Mitschüler getötet zu haben, wird June aktiv und stößt auf brutale Machtspiele von Leuten, die in ihrem Ehrgeiz über Leichen gehen. In seiner Verzweiflung scheint ihm nur noch ein Ausweg möglich.

Content
The fear makes them study. Whoever threatens their rank is a subject of fear. So they feel no guilt.
The selection in high school is very strict. Only the very best have a real chance. Supposedly. June is intelligent, but his family has neither money nor good connections. In spite of all of his eff orts he doesn‘t seem to make any progress. He is even suspected of having killed a classmate. June then takes action and discovers brutal power games among people who would stop at nothing in their ambition. In his desperation, it seems to him that only one escape is possible.


14.02.2013, Johanna Gosten
Ich muss zugeben, dass ich lange keinen so fesselnden Film mehr bei der Berlinale gesehen habe. Die Vorstellung, dass sich einige Jugendliche gegenseitig umbringen, um selbst den ersten Platz zu erreichen, ist zwar extrem, aber nicht vollkommen unbegründet. Vor allem bei dem Druck, den Eltern und viele weitere Erwachsene auf Kinder ausüben, zuhauf in Asien. Was dadurch aus den Kindern oder Jugendlichen werden kann, ist wirklich erschreckend.

Zwischendurch dachte ich wirklich immer mal wieder, dass ich an Junes Stelle die Zündschnur einfach anzünden würde. Am Ende habe ich Junes drei Geiseln gehasst wie nichts auf der Welt. Was für grausame Dinge sie den anderen Schülern angetan haben, von den Morden einmal ganz abgesehen. Und obwohl ich Yujin am Anfang nicht mochte, so stellte er sich ja letztendlich als der Vernünftigste von allen heraus. Was mich jedoch am meisten aufgeregte, war die Art und Weise, wie sich diese... diese Personen aus der Sache herauswinden wollten - mit Einfluss und Geld. Das war einfach nur abscheulich. Diese Menschen, die ihretwegen gestorben sind, werden niemals zurückkehren. Und dennoch denken die drei, mit Geld könnte man das wieder ausgleichen? Einfach nur widerwertig!

Wenn der gesamte Film spannend war, so ist das nichts im Vergleich zum Schluss. Die elektrische Stille im Saal war fast erdrückend, nahezu greifbar. Die einzigen Bewegungen waren die der Leute, die sich in ihrem Sessel aufrichteten, um ja nichts zu verpassen. Und auch nach dem offenen, mehr als schockierenden Ende herrschte erst noch Stille, bevor das Publikum in stürmischen Beifall ausbrach.
Die Nachdenklichkeit, die einem dieser Film beschert, war auch deutlich an einigen tiefgründigen Fragen zu erkennen, die im allgemeinen Stimmengewirr an die Regisseurin gerichtet wurden.

Dieser Film ist für jeden geeignet, der einigermaßen Gewalt und Spannung abkann. Mit einer wundervollen Musik, die mich auf angenehme Art und Weise an Inception erinnerte, werden die aussagekräftigsten Momente des Films noch einmal untermalt. Bei Pluto herrscht eine Atmosphäre, die es so bei kaum einem anderen Film gibt, den ich bisher gesehen habe. Mein bisheriger Favorit dieser Berlinale.

Marussia

Titel: Marussia
Originaltitel: Marussia
Regie: Eva Pervolovici

Frankreich, Russische Föderation 2013 ○ 82 Min.
Russisch/Französisch ○ dt. Einsprach, engl. UT
empfohlen ab 9 Jahren

Drehbuch: Monica Stan, EvaPervolovici
Kamera:Alfredo Altamirano
Schnitt: Dounia Sichov
Musik: Vitor Fernando Mereilles
Produzenten: Janja Kralj, Sergej Selyanov
mit:Dinara Drukarova, Marie-Isabelle Shteynman

So. 10.02. 12:30 Uhr
Haus der Kulturen der Welt 1
Mo. 11.02. 11:30 Uhr
CinemaxX 3
Do. 14.02. 15:30 Uhr
Filmtheater am Freidrichshain

Inhalt
Ich bin keine Prinzessin. Ich bin das ewige Herumziehen leid. Ich will so sein wie die anderen Kinder.
Marussia und ihre Mutter Lucia ziehen mit ihren Rollkoffern durch das kalte Paris und wissen nicht, wo sie bleiben sollen. Mal lässt ein Priester sie bei sich schlafen, mal übernachten sie in einem Quartier für Obdachlose, mal im Kino, mal bei einem Mann, den sie zufällig treffen. Nirgends bleiben sie länger als einen Tag. Ihre Mutter ist zwar lieb und bringt sie oft zum Lachen, doch Marussia wünscht sich endlich einmal ein echtes Zuhause für sich und ihr kleines Häschen.

Content
I´m not a princess. I´m tired of trailing around. I want to be like all the other children.
Marussia and her mother Lucia tramp around cold Paris with their trolley suitcases and don‘t know where they should stay. Sometimes a priest gives them a place to sleep, sometimes they spend the night in a homeless shelter, sometimes in a movie theater, sometimes with a man that they run into by chance. They never stay anywhere longer than a day. Her mother is nice and makes her laugh a lot, but Marussia longs to finally have a real home for her and her little rabbit.

10.02.2013, Victor Stasik

Marussia ein Film ohne Ende oder etwa nicht?
Darüber wird wohl nachdem man sich den Film angeschaut hat viel diskutiert.
Das Verhältnis von Marussia und Lucia, ihrer Mutter, ist gut, doch manchmal gibt es kleine und kurze Momente, wo man sich denkt, oh so gut dann doch nicht, aber ich bin der Meinung, dass dies ja fast bei jeder kleinen Familie ist und noch dazu leben beide auf der Straße.

Auch sind natürlich klassische Paris Bilder vorhanden wie der Eifelturm oder Die Bonlieurs.
So recht weiß ich leider noch nicht, was ich von dem Film halten soll.

Nachdem ich noch etwas später mir Gedanken zu Marussia und Lucia gemacht habe, bin zu den Entschluss gekommen, dass die Ressigeurin einen mit diesen Film vermitteln will, wie schnell das Leben den Bach heruntergehen kann und das man darauf aufpassen muss.

Alicia ist früher in Russland Mode-Journalistin gewesen und von da aus ging es bergab ab bis sie mit ihrer Tochter Mrussia obdachlos geworden ist.
Der Film Marussia ist ein Film über ein Kind und seine Mutter,er ist ein Film Für Kinder aber auch für Erwachsene. Man sollte sich Zeit lassen, ihn auf sich zu wirken lassen und um die Botschaft herausfiltern.

10.02.2013, Liv Thastum
"Lass dich verzaubern"

Der Film „Marussia“ erzählt mit viel Gefühl eine Geschichte über das Leben eines kleinen Mädchens auf der Straße. Mich hat der Film berührt und schockiert. Zu sehen wie ein kleines Mädchen mit ihrer Mutter durch die Straßen zieht...das ist unglaublich.

Leider war die Film teilweise etwas langatmig, so dass ich ein paar Mal auf meine Uhr geschaut hab. Trotzdem fand ich den Film sehr schön. Dem Zuschauer bleiben viele lustige und berührende Momente im Kopf.

Aber ich finde nicht, dass „Marussia“ ein Kinderfilm ist. Im Gegenteil er berichtet sehr über die Probleme Erwachsener. Zum teil wurden die markanten Stellen einfach nicht für die Kinder übersetzt. Ich find es traurig, dass die Berlinale häufig den Fehler macht, Filme als Kinderfilme abzustempeln nur weil ein Kind in ihm mitspielt. Trotz allem finde ich Marussia sehr sehenswert.
Dieser Film kann einen verzaubern und in eine nachdenkliche Stimmung bringen.