Wie funktioniert Blindenschrift auf Chinesisch? - Das Publikumsgespräch bei Touch of the Light

Es war ein unglaublicher Film gewesen. Nach Touch of the Light, als der Abspann begann, herrschte eine überwältigende Spannung im Saal. Keiner wagte es, diesen Moment durch ein Klatschen zu zerstören. Als das erste langsame Lied des Abspanns schließlich von einer aufgewühlten, fröhlichen und lustigen Melodie abgelöst wurde, entlud sich die gesamte Begeisterung in einem lautstarken Applaus, der auch Minuten nach Ende des Abspanns noch nicht verstummen wollte. Stattdessen standen viele Leute auf, um deren Entzückung noch klarer zu verdeutlichen. Als die Darsteller und Filmemacher auf die Bühne kamen, brandete erneut riesengroßer Applaus auf.
Der Regisseur, Chang Jung-Chi, war völlig überwältigt, wie gut der Film angekommen war. Auch der blinde Hauptdarsteller, Huang Yu-Siang, konnte die Begeisterung im Raum durch den langanhaltenden Applaus gut nachvollziehen und bedankte sich herzlich dafür, da das etwas war, was er wirklich fühlen konnte.
Nachdem der Applaus, der auf diese Worte hin erklang, verstummte, erklärte Florian das Publikumsgespräch für eröffnet.


Wie funktioniert Blindenschrift auf Chinesisch? In China gibt es doch mehr als 1000 Schriftzeichen.

Es gibt ein spezielles Gerät, das extra dafür gedacht ist, die Schriftzeichen wiederzuerkennen. Das macht es etwas einfacher. Aber auch wirklich nur etwas.

Zunächst einmal: toller Film! Ich habe mich gefragt, ob der Hauptdarsteller, Huang Yu-Siang, einige Dinge vorgeschlagen hat, wie zum Beispiel die Kameraführung, weil er selbst natürlich am besten weiß, wie sich das Leben als Blinder anfühlt. (Auf diese Worte hin rufen sie den Kameramann auf die Bühne - der wirklich eine unglaubliche Arbeit geleistet hat – damit er als Fachmann die Frage beantworten kann)

Zunächst einmal vielen Dank. Tut mir leid, ich bin ein bisschen schüchtern. So direkt hat er nichts vorgeschlagen. Aber ich denke, dass der Film von den Verbindungen zwischen den Menschen handelt und das habe ich auch versucht mit meiner Kameraführung darzustellen.

Ist der Effekt mit dem gleißend weißen Gegenlicht eingesetzt worden, um zu verdeutlichen, wie ein Blinder sich fühlt?

Genau. Huang Yu-Siang kann spüren, wenn sich die Umgebung um ihn herum ändert. Er weiß, wenn es dunkel oder hell ist, ob es schattig ist und ob das Licht gedimmt oder gleißend hell ist, ob es eher warm oder kalt ist. Das alles kann er sehen, deshalb habe ich diesen Effekt mit dem Gegenlicht eingesetzt, um das zu verdeutlichen.

Wie haben Sie sich gefühlt, als Sie den Film auf der großen Leinwand gesehen haben?

Also ich habe ihn jetzt schon mehrmals in ganzer Länge gesehen und muss sagen, dass er mir bei jedem Mal besser gefallen hat.

Huang Yu-Siang, haben Sie das als kleiner Junge wirklich erlebt, dass ein anderer Junge behauptet hat, Sie hätten den Wettbewerb nur gewonnen, weil sie blind sind?

Nein, das ist mir nicht wirklich passiert.

Wie nah ist der Film der Realität?

Da gibt es nicht wirklich viele Unterschiede zum wahren Leben auf dem Campus. Die Uni war der netteste Platz auf der Welt. Die Menschen dort waren alle sehr warmherzig und offen und beim Dreh war es genauso. Wenn jemand zum Beispiel begann Violine zu spielen, setzten die anderen nach und nach ein und improvisierten. Wir waren alle wie eine große Familie.

War das Mädchen wirklich deine Freundin?

Sie ist ein sehr, sehr nettes Mädchen, aber nein, sie ist wirklich nur eine gute Freundin.

Ich bin zusammen mit einem Mädchen aufgewachsen, das von Geburt an blind war, deswegen verstehe ich nun nach Jahren ungefähr, was Blinde durchmachen. Ich habe auch schon früher Filme über Blinde gesehen, die mich für gewöhnlich sehr geärgert haben, weil sie nicht annähernd erfasst haben, wie es den Blinden wirklich geht. Also wollte ich fragen, wie Sie es geschafft haben, diese Stimmung einzufangen.

Wir haben uns 2005 kennengelernt. Er war der erste Blinde, den ich jemals getroffen habe, daher war es eine ziemlich berührende Erfahrung. Wir sind zusammen ans Meer gefahren, damit er dort seine Erinnerungen noch einmal durchleben kann. Doch als wir dort ankamen, konnten wir nicht an den Strand, weil überall Felsen im Weg waren. Da habe ich zum ersten Mal wirklich bemerkt, wie schwierig es für jemanden sein muss, wenn er nicht sehen kann. Huang Yu-Siang hätte nämlich nicht so ohne weiteres über die Felsen klettern können. Alles benötigt viel mehr Zeit und Aufwand, wenn man blind ist. Wir unternahmen noch sehr viel Anderes zusammen, wo ich genau das immer wieder feststellen musste. Dieser Unterschied wurde mir durch unsere Treffen immer wieder vor Augen geführt. Daher hatte ich nach der Zeit ein ziemlich gutes Gespür dafür, wie er sich wohl fühlen muss.

Am Ende verkündete der Regisseur, dass wir Zuschauer noch einen kurzen Augenblick warten sollen, da Huang Yu-Siang noch etwas vorbereitet hat. Gespannt fragten wir uns, was das wohl sein könne. Huang Yu-Siang zog eine Karte aus seiner Tasche, hielt sie an seinen leicht geöffneten Mund und klopfte mit den Fingern einen Rhythmus. Tatsächlich schaffte er es, dabei sogar unterschiedliche Töne zu erzeugen. Das war ein Trick, der auch im Film vorgekommen war.
Die begeisterte Menge begann laut zu klatschen und zu johlen. Der Applaus verklang erst, als die Darsteller schon längst von der Bühne verschwunden waren.

Sarah Gosten

Interview mit der Regisseurin von Marussia


Als wir nach dem Film den Kinosaal verlassen, bildet sich schon eine lange Schlange vor den Tischen, an denen die Darsteller gleich Autogramme geben werden. Wir stellen uns an und nach mehreren Minuten fragen wir, als sie uns gerade ihre Autogramme geben, ob sie sich für fünf Minuten mit uns unterhalten könnten. Die Regisseurin stimmt lächelnd zu, doch die Hauptdarstellerin braucht ihre Ruhe und möchte uns lieber kein Interview geben.

Generation Reporter: Wie kamen Sie auf die Idee zu diesem Film?

Eva Pervolovici: Ich hatte Marussia kennengelernt, als sie gerade einmal vier Jahre alt war. Zu diesem Zeitpunkt konnte sie leider noch kein Französisch, doch trotzdem spielten wir häufig zusammen. Irgendwann habe ich dann auch ihre Mutter getroffen, wir gingen sofort zusammen Kaffee trinken und sie erzählte mir ihre Geschichte. Ich war tief betroffen von deren Schicksal, sodass ich beschloss einen Film daraus zu machen. Natürlich ist nicht alles identisch, aber das Grundgerüst stammt von deren Geschichte.

Wie haben Sie den Film denn drehen können? Er spielt doch so viel auf den Straßen und in öffentlichen Einrichtungen.

Eva Pervolovici: Für die öffentlichen Einrichtungen, wie zum Beispiel die Obdachlosenunterkunft, brauchten wir Genehmigungen. Auf der Straße konnten wir natürlich einfach so drehen und in der U-Bahn und in der Oper haben wir unerlaubter Weise gedreht, da das sonst viel zu viel Geld gekostet hätte.

Wie lange hat denn der ganze Prozess gedauert?

Eva Pervolovici: Also die Idee dazu kam mir vor 3 Jahren, dann musste natürlich noch das Drehbuch geschrieben und generell alles gut vorbereitet werden. Dann kommen natürlich auch noch die Dreharbeiten dazu. Da Marussia noch so klein ist, konnten wir allerdings nicht so viele Tage hintereinander drehen. Wir haben dann immer zwei Tage gedreht, ein Tag Pause gemacht, drei Tage gedreht und wieder ein Tag Pause gemacht und so weiter. Insgesamt hatten wir dann 44 Drehtage, die sich auf zwei Monate erstreckt haben.

Wie konnte eigentlich Marussia ihren Text lernen? Sie ist doch noch so klein!

Eva Pervolovici: Sie musste ihn nicht lernen. Vor jeder Szene haben wir ihr einmal gezeigt, was sie machen soll und das hat sie dann mehr oder weniger gut umgesetzt.

Wie war es eigentlich für die Schauspielerin der Mutter, Dinara Drukarova, an der Seite eines so jungen Kindes einen Film zu drehen?

Eva Pervolovici: Sie meint, es sei eine ganz tolle Erfahrung gewesen. Bei den Dreharbeiten habe ich selbst gemerkt, dass es eine große Herausforderung ist – nicht nur für die Schauspielerin, auch für das restliche Team – mit so einem kleinen Kind zu arbeiten. Man kann eigentlich nie genau wissen, was sie als nächstes macht. Es passieren total viele unvorhersehbare Dinge, wenn man mit einem Kind dreht. Es ist also einerseits sehr schwer, aber andererseits auch ein sehr schönes Geschenk.

Wie haben Sie eigentlich die Schauspielerin der Mutter gefunden?

Eva Pervolovici: Wir hatten ein sehr langes Casting in ganz Europa und haben uns hunderte von Bewerberinnen angesehen. Schließlich haben wir Dinara Drukarova gefunden, die eine sehr bekannte Schaupielerin in Frankreich ist.

Gibt es denn in Paris viele Obdachlose?

Eva Pervolovici: Das Problem der Obdachlosigkeit ist schon ein Problem. Ich sehe beispielsweise in der Nähe meines Zuhauses immer eine Familie mit drei jungen Kindern, die leider auch obdachlos ist und manchmal auf der Straße schlafen muss. Das finde ich sehr traurig.

Warum hatte der Film denn eigentlich so ein abruptes Ende?

Eva Pervolovici: Es hätte noch die ganze Zeit so weitergehen können, das Leben ist schließlich lang, aber irgendwann muss man dann auch einfach den Schlussstrich ziehen.

Sind Sie das erste Mal in Berlin?

Eva Pervolovici: Oh nein, ich war bereits vor 5 Jahren beim Berlin Campus und habe hier auch schonmal meinen Kurzfilm „Little Red“ gezeigt. Insgesamt bin ich schon zum vierten Mal hier.

Und wie gefällt Ihnen die Stimmung hier?

Eva Pervolovici: Sie ist unglaublich. Uns außerdem liebe ich einfach dieses Kino. Es ist doch wirklich toll: so groß und architektonisch wirklich schön.

Dem können wir nur zustimmen. Wir bedanken uns bei ihr, geben ihr noch einen Flyer von uns mit, da sie sehr interessiert wirkt und verabschieden uns schließlich.

Sarah Gosten

Ein erhellendes Publikumsgespräch - The Cold Lands

Während man vielleicht noch mitten im Film die Stirn runzelte, so glätteten sich die Falten doch recht bald, als Regisseur Tom Gilroy zu sprechen beginnt. Es war vielleicht das angenehmste und informativste Publikumsgespräch, bei dem ich je dabei war, da Gilroy von sich aus sehr viel und ausführlich erzählte und noch viel mehr Informationen gab, als es zum Beantworten der Frage benötigt hätte. Das war wirklich großartig, denn ich schätze, andernfalls hätte ich den Film auch etwas schlechter in Erinnerung behalten.

Zuerst dankt uns der Regisseur ganz herzlich, denn es sei eine tolle Erfahrung, den Film auf einer so großen Leinwand zu sehen - und das auch noch in einem Raum voller fremder Leute! Außerdem war es auch für jedes Mitglied der Filmcrew das erste Mal, den Film auf einer so großen Leinwand zu sehen.

Wie war es, mit einem so jungen Menschen zu arbeiten?
Tom Gilroy: Es war großartig. Silas lebt in der Stadt, in der wir größtenteils gedreht haben. Das war mir sehr wichtig, denn ich wollte einen glaubwürdigen Schauspieler haben, der sich mit Tieren auskannte, auf einer Farm lebte. Als ich auf der Suche nach so einem Schauspieler war, sah ich Silas bei einer Theateraufführung in seiner Stadt, er war einer der Stars. Nach der Veranstaltung sprach ich ihn an und er nahm mein Angebot an. Für vier oder fünf Monate gab ich ihm Schauspielunterricht, immer etwa zwei bis drei Stunden. Vor dem Dreh wollte ich Silas noch einmal vor der Kamera sehen, um entscheiden zu können, ob wir überhaupt einen Film würden drehen können, und wir arrangierten einen Kurzfilm mit meiner einer ganz kleinen Crew in meinem Haus. Anscheinend gefiel Silas am Ende selbst, was er sah, denn er war einverstanden, weitere sechs Monate mit mir zu arbeiten, und dann drehten wir den Film.

Wie kam der Film zu seinem Titel "The Cold Lands"
TG: Im Nordosten Amerikas gibt es eine Menge Schilder, die die Geschichte der Felder erläutern oder kennzeichnen. Am Ende des Films wurde ein solches Schild gezeigt. Es steht nicht weit entfernt auf dem Weg zu meinem Haus und es bezeichnet "The Cold Lands". Immer, wenn jemand Probleme mit dem Gesetz bekam, zum Beispiel eines Verbrechens beschuldigt wurde, und dann auf einmal verschwand, dann war man angeblich in die "Cold Lands" verschwunden.

Was genau wollte Sie mit dem Film ausdrücken, gab es eine große Sache, die Sie verfolgt haben?
TG: Ich wollte einen Film über ein Kind drehen, das mit Umständen konfrontiert wird, die gefährlich oder riskant sind. Und auch wenn es für das Kind gut ausgeht, macht man sich Gedanken darüber, was ihm in einer solchen Gesellschaft passieren könnte.


Während des Drehs, haben Sie Silas nur direkte Anweisungen gegeben, wie er spielen sollte, oder haben sie mit ihm darüber gesprochen, wie es wäre, seine Mutter zu verlieren und anderes?
TG: Ich habe mit Silas nie die großen Fragen des Films diskutiert. Es war immer mehr wie "wenn das passieren würde, was würdest du dann tun, wie würdest du dich fühlen". Ich denke, für ihn war es eher wie ein großes Spiel. Er hat sich wohl gedacht "dieser Typ hat mir jetzt fast ein Jahr lang versucht, etwas beizubringen, und jetzt habe ich die Gelegenheit, zu zeigen, was ich drauf habe." Es war mehr ein Abenteuer, eine Erfahrung für ihn. Er hat es einfach getan. Und bis jetzt hat er den Film auch noch nie gesehen und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass er großartig etwas dazu zu sagen hätte.

An welche Krankheit ist die Mutter denn gestorben?
TG: Sie litt an Diabetes. Was dann oft passiert, ist, dass man einen kleineren Herzinfarkt erleidet, doch die Symptome sind denen der Diabetes sehr ähnlich, weshalb man sie kaum bemerkt. Doch dann gibt es einen größeren Herzinfarkt, an dem man eben stirbt. Die Mutter im Film hatte zu der Zeit schon einen Herzinfarkt und ist dann an dem anderen gestorben.

Wie war es denn für die Schauspieler, mit einem Kind, bzw. mit Silas zu arbeiten?
Peter Scanavino: Es war natürlich ganz anders, als mit einem Erwachsenen zu arbeiten, aber um ehrlich zu sein, hat es mich mehr beruhigt, als aufgeregt. Es gab diverse einfache Momente, da wir nicht unbedingt mehr gemacht haben, als unbedingt nötig war, es war wirklich entspannt mit Silas.

Wie lange habt ihr gedreht?
TG: 5 Wochen. Es waren teilweise sehr kurze Wochen, da Silas ja Schule hatte, und zwischendurch kam dann auch noch ein Hurrikane, also war die erste Frage morgens immer, wie das Wetter war, ob wir überhaupt etwas aufnehmen konnten.

Was denken Sie, wie hat sich das Kind gefühlt? Der Junge war so allein, war er stark und mutig, oder eher traurig?
TG: Ich denke, er hat Peter vertraut und die Dinge kamen einfach, wie sie kamen. Er hatte nicht wirklich eine andere Wahl, als die Dinge so zu nehmen, wie sie eben kamen. Was passierte, das passierte. Er hatte seine Mutter verloren, was ein ziemlicher Schock war, aber ich weiß nicht, ob er besonders allein war. Er war eher neugierig, nachdenklich, bedächtig. Mein Ziel war es mehr, einen Film über den Teil des Lebens eines Heranwachsenden zu drehen, zu dem man langsam anfängt, über Dinge nachzudenken und sie anders wahrzunehmen. Wenn ein 11-Jähriger beginnt, über wichtigere Dinge als Sport und Essen nachzudenken und langsam beginnt, sich mit der Welt auseinanderzusetzen. Und obwohl er seine Mutter in dieser Zeit seines Lebens am meisten brauchen könnte, kann sie nicht für ihn da sein. Es ist, als stünde er in einer plötzlich geöffneten Tür und wüsste nicht so genau, wo es langgeht, weil er auf einmal allein gelassen wurde.

Johanna Gosten

Generation goes Kiez

Schon als Johanna und ich aus der Straßenbahn aussteigen und ich ihr das Kino zeige, sieht man, dass die Berlinale auch hier angekommen ist. Vor dem Kino Toni in Berlin-Weißensee steht eine Berlinalewand, und ein roter Teppich, so wie es sich für die Berlinale gehört. Wir haben vor ein Interview mit Michael Verhoeven und Senta Berger (die Filmpaten des Kinos) zu machen, also gucken wir uns neugierig um, ob sie schon angekommen sind.
Nachdem wir eine Weile herumgelaufen sind, stellen wir fest, dass sie noch nicht da sind. Eine Frau mit zwei roten Berlinale-Geschenktüten sieht wichtig aus. Sie sagt, Michael Verhoeven und Senta Berger kommen gleich und es sei kein Problem ihnen ein paar Fragen zu stellen.
Am roten Teppich warten wir auf die Filmpaten, wobei uns ziemlich kalt wird. Doch dann kommen sie und ich kann noch ein paar Fotos machen, danach gehen wir mit ins Kino, doch es ist gar nicht so leicht einen von beiden anzusprechen, da viele sie begrüßen wollen.

Als wir dann endlich Michael Verhoeven "ergattern", begrüßt er uns freundlich, setzt sich mit uns an einen Tisch und wir können mit dem Interview beginnen. Wir stellen uns vor und geben ihm unseren Flyer, den er mit interessiertem Blick und Zustimmung einsteckt. Wir müssen ihm erstmal erklären, dass die Generationsfilme alle im Haus der Kulturen der Welt auf der großer Leinwand kommen. Er erzählt uns, dass er "Berlinale goes Kiez" garnicht nicht unterstützen kann, da die Kiezkinos von der Berlinale ausgewählt werden und er sich nur freuen kann und auch freut, dass er mit dem Kino Toni ein Teil dessen sein kann. Begeistert erzählt er uns von der Geschichte des "Tonis".
Nach ein paar Minuten werden wir unterbrochen, weil die Darsteller und die Regisseurin von "Satellite Boy" kommen. Michael Verhoeven begrüßt Catriona McKenzie, die Regisseurin und stellt uns gleich als "two very young journalists" vor.

Wir wollten gerade mit dem Interview fortfahren, da spricht jemand Michael Verhoeven an, doch er sagt, er habe jetzt ein wichtiges Interview, was uns sehr gefreut hat.
Stolz erzählt er, dass das Kino Toni schon zum vierten Mal als Kiezkino ausgewählt wurde und dass letztes Jahr der Generation Film "Die Kinder vom Napf" lief, bei dem die Erwachsenen im Kino den Kindern das Schweizer Deutsch übersetzt haben.
Auf die Auswahl der Filme hat er keinen Einfluss und darf nicht einmal die Filme vorher gucken, dadurch freut er sich aber um so mehr, wenn er dann die Filme auf der großen Leinwand im Kino Toni sehen kann. Er möchte erreichen, dass die Leute, die in der Nähe des Kinos wohnen, dieses Angebot begeistert wahrnehmen, was sie auch schon tun. Er schildert uns noch seine Erinnerungen an die Anfänge der Berlinale, die damals im Sommer stattfand.

Nach ein paar Fotos geht es zurück ins HKW zum nächsten Film.
Klara Hirseland

Ein(-)Blick hinter die Kulissen



Im Interview mit Florian Fomm.

Generation Reporter: Also Florian, was genau ist Ihre Aufgabe bei der Berlinale?

Florian: Ich muss dafür sorgen, dass der Einlass gut funktioniert, dass die Filmteams rechtzeitig da sind, dass alle in den Film reinkommen, dass genug Plätze da sind und nicht plötzlich 1000 Leute mit Ticket da stehen und keine Plätze mehr übrig sind. Generell bin ich also dafür da, dass alles reibungslos abläuft, damit alle zufrieden sind.

GR: Wie lange arbeiten Sie denn schon bei der Berlinale?

Florian: Also ich war letztes Mal zum ersten Mal dabei.

GR: Und wie sind Sie zu Ihrem Job gekommen?

Florian: Ich war davor für ein halbes Jahr Praktikant bei der Berlinale und danach durfte ich diesem Posten übernehmen.

GR: Wenn das Festival vorbei ist, arbeiten Sie dann auch für die Berlinale?

Florian: Seit diesem Jahr nicht. Davor hatte ich hier das Praktikum, aber nun bin ich wirklich nur für diese 10 Tage hier beschäftigt.

GR: Hatten Sie denn vor Ihrem Praktikum schon einmal die Berlinale besucht?

Florian: Nein, gar nicht. Letztes Jahr war mein erstes Jahr.

GR: Und wie sind Sie denn dann zu Ihrem Praktikumsplatz gekommen?

Florian: Ich war Student in Leipzig und da ich mich sehr für Film interessiere, habe ich mich bei der Berlinale beworben und das hat glücklicherweise geklappt.


GR: Macht Ihnen Ihre Arbeit Spaß?

Florian: Ja total! Ich finde es richtig toll, diese Filmteams aus der ganzen Welt zu treffen. Ich genieße das richtig.

GR: Können Sie denn sagen, was Ihnen an Ihrer Arbeit hier am meisten gefällt?

Florian: Zu sehen, wie diese jungen Regisseure, die meistens gerade ihren ersten Film gedreht haben, sich total freuen, dass 1000 Leute ihren Film anschauen. Wie sie es gar nicht fassen können, dass sie hier sozusagen die neuen Stars sind.

GR: Und haben Sie auch während der Berlinale Zeit noch Filme zu gucken?

Florian: Ja. Das gehört sogar zu meinem Job dazu. Dass immer jemand im Film drin ist, falls irgendetwas passiert. Mit dem Bild zum Beispiel. Dann müssen wir auch am Start sein, damit alles wieder rund läuft.

GR: Was war denn dann gestern Bei „Capturing Dad“ los, als der Ton plötzlich nicht mehr richtig funktionierte?

Florian: Es gibt wohl ein bisschen Probleme mit dem Ton. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass viele Filme heute nicht mehr mit Projektoren gezeigt werden, also nicht mit diesen großen Rollen, sondern mit Festplatten und daran muss man sich eben gewöhnen. Deswegen gibt’s da Probleme mit dem Ton, weil es immer andere Formate gibt und auch noch Leitungen umgestöpselt werden müssen. Aber es wird schon besser.

GR: Und heute Vormittag, als das Licht plötzlich ausging? Waren das auch technische Probleme?

Florian: Also das mit dem Licht ist dann tatsächlich – aber das darf auch passieren – menschliches Versagen, wenn jemand vergisst, das Knöpfchen zu drücken.

GR: Und ist Ihnen schoneinmal etwas total Unglaubliches bei der Berlinale passiert?

Florian: Unglaublich ist, dass 99% der Besucher wahnsinnig lieb sind. Aber es gibt 1%, die sich dann immer richtig dreist noch in den Film drängen wollen. Dann wird man auch schonmal zur Seite geschuppst oder sowas. Da kann man sich dann natürlich nicht wehren. Solche Sachen passieren manchmal. Aber bemerkenswert sind wirklich diese 99% der Besucher, die sehr nett sind.

GR: Dann vielen, vielen Dank für das Interview, Florian!

Sarah Gosten

Als Ticketverkäuferin und Securityman bei der Berlinale


Ein Interview mit Jonathan Germann und Julia Gumpert, ohne die das Ganze hier gar nicht funktionieren würde.

Nun, da das Foyer menschenleer ist, weil alle Zuschauer gerade Shopping gucken, haben wir Zeit in Ruhe einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Zunächst interviewen wir Jonathan Germann, der die wichtige Aufgabe besitzt, das Absperrband zu entfernen, das die Meute davon abhält nach oben in den Saal zu stürmen, und danach Julia Gumpert, eine Ticketverkäuferin. (Der Einfachheit halber, haben wir die beiden Interviews zusammengefasst.)

Generation Reporter: Ist das Ihr erstes Mal, das Sie bei der Berlinale tätig sind oder waren Sie schon öfter dabei?

Jonathan: Ja, das ist mein erstes Mal hier, deswegen war ich anfangs etwas aufgeregt, aber inzwischen ist das hier zur Routine geworden.
Julia: Nein. Ich war auch letztes Mal schon dabei.

GR: Wie sind Sie denn zu dieser Arbeit hier gekommen?

Julia: Über Freunde. Die haben mir das organisiert.

GR: Was genau ist denn eigentlich Ihre Tätigkeit?

Julia: Im Grunde muss ich nur vor Beginn des Films Tickets verkaufen. Während der Filme habe ich dann Pause.
Jonathan: Um die Massen zu bändigen, die alle ins Kino strömen, gibt es ein Absperrband. Ich habe die Ehre, den Poller, an dem das Band befestigt ist, wegzustellen, um die Zuschauer einzulassen.


GR: Durften Sie denn in diesem Jahr schon einen Film gucken?

Julia: Ja, ich schon. Das hat mir auch sehr gut gefallen.
Jonathan: Bisher leider noch nicht, aber vielleicht rotieren wir im Laufe der nächsten Tage noch in den Positionen. Dadurch kriege ich vielleicht die Chance, im Kinosaal aufzupassen. Mit dieser Aufgabe darf man dann auch den Film ansehen.

GR: Was machen Sie denn dann, wenn der Einlass vorbei ist und nichts mehr zu tun ist, wenn Sie schon nicht den Film ansehen dürfen?

Jonathan: Also meistens haben wir Pause, aber eigentlich ist das auf die Dauer ziemlich langweilig.

GR: Wie gefällt Ihnen generell die Berlinale bis jetzt?

Julia: Sehr gut. Es macht viel Spaß.
Jonathan: Also am Anfang war es noch sehr aufregend mit den ganzen vielen Regisseuren und Schauspielern, die man sieht, doch mit der Zeit wird das allmählich zur Routine.

GR: Wo wir schonmal bei diesem Thema sind: Wie ist es denn eigentlich solch berühmte Leute zu treffen?

Jonathan: Also um ehrlich zu sein: Die meisten sind nicht wirklich bekannt in Deutschland und selbst solch berühmte Schauspieler wie Isabella Rossellini sieht man nur kurz im Vorbeigehen.
Julia: Ich interessiere mich nicht so für Stars, daher finde ich das nicht so beeindruckend.

GR: Vielen Dank für das Interview!
Sarah Gosten

Blau-Schwarz-Weiß?

Florian in Anzug und mit weißen Turnschuhen - ein Bild, das zweifelsfrei zur Berlinale gehört. Entsprechend befremdete uns daher, dass Florian bei den beiden Eröffnungsfilmen am Freitag mit blauen Schuhen aufkreuzte. Und auch heute erscheint er mit schwarzen Schuhen im Haus der Kulturen der Welt (HKW), dabei steht für mich fest: Schwarz ist doch noch weniger Weiß als Blau!
Aber was sagt der Betroffene selbst zu dem Thema? "Ich kann ja nicht jeden Tag dieselben Schuhe tragen", erklärt er uns mit halb ernster, halb belustigter Miene. "Außerdem passen die Schuhe ja nicht zu jedem Anzug, also dachte ich, die blauen passen ganz gut, vor allem da die anderen ja altweiß sind, und das wäre vielleicht nicht so angebracht."
Das finden wir nicht, zumindest solange nicht, bis sich Florian mit seinen weißen Turnschuhe im HKW präsentiert hat.
Johanna Gosten